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Medien-Tresen | 26.06.2026
Weltpolitik, Macht, Text
Von der Wirklichkeit eines Abbruchtextes. Oder: Nordstream, ein Landeanflug auf Zürich und X. Wo Licht? Wo Irrlicht? Folge 8
Text: Daniel Sandmann
 
 

Wenn ein Text zwischen der Nordstream-Sprengung, dem Landeanflug einer iranischen Maschine samt Verhandlungsdelegation und kleinen Maßnahmen eines Weltkonzerns zum Absturz kommt, was ist dann geschehen?

Voranmerkung 1: Normalerweise bleiben Texte, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht publiziert werden können, textlos. Zumindest für Außenstehende. Versteht sich. Hier ist der Ausnahmefall mit einer Wahrscheinlichkeit von 0.0016 Promille.

Voranmerkung 2: Dieser Text, ausgelöst durch eine Frage nach der Wirklichkeit nuklearer Bedrohung, macht einige Kurven vorbei an der Nordstream-Sprengung, vorbei am Landeanflug einer iranischen Delegation auf Zürich-Kloten und vorbei an weiteren Begebenheiten, die man als Fiktion oder Realität lesen darf, hin zur Frage nach der Wirklichkeit von Zeichen, Zahlen, Wörtern und der Wirklichkeit selbst wie auch des Bewusstseins drumherum. Der Text war so nicht vorgesehen und ihn gleichwohl als Artefakt eines Abbruchs zu publizieren, eröffnet auf Seiten der Lesenden Freiheiten zur Deutung. Der Preis dafür: einiges verbleibt als Rätsel, als Geheimnis, verbleibt im Dunkeln. Aber auch das Geheimnis bedeutet Freiheit, und seine Ausrottung ist Ziel jedes Totalitarismus, wie es Jacques Derrida noch in den Neunzigern – oder war es 2004? – treffend formuliert hat. Dieser Text ist in diesem Sinne dem Totalitarismus ganz und gar ins Gesicht geschlagen. Es ist ein Gedankentext ganz ohne Links und Quellen. Fiktion eben. Fiktion einer Realität.

Marianische Frage

Die marianische Frage, die mich vor drei Wochen erreichte, war die Frage, ob ich dächte, die russische Armee würde tatsächlich Ziele im Westen nuklear angreifen, genauer gesagt: taktisch nuklear. Ob also tatsächlich jederzeit eine Verseuchung eintreten könne und was das wohl bedeuten würde? Dabei war die Frage nicht aus Russophobie heraus gesetzt, vielmehr im Sinne: ob den Russen, wer immer das sei, vielleicht nicht doch die Geduld einmal ausgehen könnte.

Die Antwort, die nicht ins Objektive greift

Was mir, die Frage lesend, zunächst bewusst wurde, war, dass mich dieses taktisch nukleare Szenario auf seltsame Weise unberührt belässt. Nicht weil ich es für unwahrscheinlich halte, jedoch legt sich allzu bald auf diesbezügliche Überlegungen eine Schicht eines gar seltsamen Einverständnisses, dass die Dinge zu einem Ende kämen. Goethes Faust ist da bestimmt mit bei (aber will ich nicht noch einen Roman herausgeben?). Doch zweifle ich nicht, dass, ginge es los – wie sähe ein solches Losgehen konkret aus? –, ich in Panik geriete. Indes, auch dieser Panikgedanke bleibt eigenartig kühl, ja unwirklich und leer, bleibt Begriff. Es stellt sich keine Emotion ein, kein Gefühl.

Zu abgestumpft durch die Ereignisse der letzten Jahrzehnte? Medial sediert? Von der sinnlichen Welt – und diese würde durch einen nuklearen Schlag ja einem Ende zugeführt, nicht wahr – abgezogen durch das viele Starren auf den Monitor, ein „in“ suchend, wo es keines geben kann?

Das allgemeine Lamento

Es gäbe womöglich auch eine sinnigere und wahrhaftig analoge Antwort: Was änderte eine diesbezügliche Angst? Was soll ich mich mit der Frage beschäftigen? Weshalb mich mit Dingen beschäftigen, auf die ich keinen Einfluss habe? Ich kann einen solchen nuklearen Schlag weder verhindern noch verzögern. Ich kann – ist das nicht noch elender? – den Wahnsinn hier, aus dem heraus sich das russische Ansinnen entzünden mag, nicht dämmen, nicht tilgen. Die karzinogenen Wucherungen in Brüssel und in sämtlichen Hauptstädten – vor allem den reformiert-protestantischen, wenn man Emmanuel Todds jüngstem Hinweis folgt –, die kapitalen Wucherungen in all den Konzernen geschehen ohne mein Zutun. Als krank würde ich das alles nicht bezeichnen, weil der Krankheitsbegriff ein allzu bald reaktionär besetzter ist, als monströs aber sehr wohl: dieses Wuchern. Im Grunde eine Naturkatastrophe, insofern der Mensch, er mag bald nur noch binäres Rauschen sein, aus dieser Natur heraus sich verformt hat. Die KI übernimmt folgerichtig – als Dummheit in Gottform –, und dass dies auch wegen der „postmodernen Philosophie so sei“, Foucault, Derrida und so, ist die erkenntnistheoretische Schrottschicht, die selbst da einlagert, wo die KI-Dekonstruktion noch so halbwegs gelingt.

So what?

Nichts habe ich zu tun mit alledem und doch selbstredend ist mir bewusst: Es gibt auch für mich kein Entrinnen aus dem Wirkkreis dieser Wucherungen und Strahlungen. Aber ja, es gibt das mentale Entrinnen. Und zuweilen – wie ich bei der marianischen Frage gemerkt habe – muss ich hierfür nicht einmal etwas tun. Es geschieht einfach. Und male ich mir aus, wie eine Oreschnik (welch Name!) La Hague in die Luft katapultiert, so bleibt auch das ein Gedanke bloß. Der Tod ist bis zum Tod ein Gedanke.

Die Wende

Maria aber hat die Frage in einen Kreis von fünf Personen geworfen. Jemand hat geantwortet. An alle. Und diese Antwort war überraschend. Es war die Antwort eines Wissenschaftlers. Und daraus hat sich ein Text ergeben, der eine signifikante Wirklichkeit zeichnet.

Dieser Text ist abgestürzt.

Und DAS HIER ist die Absturzstelle... wirklich genau hier

Aber ist die Wirklichkeit mit ihm abgestürzt? Ist das Ereignis in der Ostsee, auf das sich der Text gewandt hätte, durch den Textbruch, wäre es nuklear gewesen, weniger nuklear geworden? Oder gar nuklearer noch? Hat es sich überhaupt irgendwie verändert? Verändert ein Text, eine Rechnung, eine Tabelle, eine Kurve, verändern Zeichen etwas an der Wirklichkeit, auf die sie sich beziehen? Ist eine in Zeichen gesetzte Wirklichkeit eine andere? Dass die Zeichen hinzukommen, versteht sich, sie sind ein Ereignis für sich; ich aber rede vom Ereignis, das in Zeichen gesetzt wird, von der Sprengung in der Ostsee zum Beispiel.

Nun, geht es bei unser aller Streben und Suchen überhaupt um Wirklichkeit, Kinder? Oder ist es eine Chimäre, der wir hinterherjagen – nicht weil wir in einer Matrix leben würden, nicht weil wir eine errechnete Struktur einer Supermaschine wären, wie es Buben, wenn sie glauben, philosophisch besonders schlau zu sein, gerne in den Ring werfen. Sondern weil unsere Erkennung, damit sie erkennt, trennen muss und damit die Deutung immer von den Dingen abzieht. Oder umgekehrt. Sie kann nicht anders. Und dabei die Neigung hat, den Vorgang zu übersehen.

Was aber, Kinder, jagen die eigentlich, die endlos irgendwelche molekularen Strukturen gegeneinander aufrechnen? Was suchen die, welche die Welt in Algorithmen verwandeln, wenn gleichzeitig die Mathematik selbst sagt, nicht mal ein Prozent der Probleme auf Erden seien Algorithmen zugänglich? Was suchen wir im Universum? Was in den Nanolipiden? Das Glück? Uns selbst? Die Versicherung auf Ewigkeit?

„Nordstream und Hotzenplotz“ hat im abgestürzten Text der Zwischentitel geheißen, an den hier nur die Erinnerung steht.

Was „Nordstream“ in Wirklichkeit war, ist als Textwirklichkeit dem Textabbruch zum Opfer gefallen. Das haben wir also verstanden, Kinder. Der Text wurde gebrochen, weil es technische Probleme gab, nachdem die Quellenstruktur eben dieses Textes durch eine Maßnahme eines Weltkonzerns betroffen war, ein Maßnahme, die sich gar nicht auf den abgebrochenen Text bezog, ihn aber tangierte. So viel an Bruchstücken kann ich durchaus zusammenscharren. Der Text wurde gebrochen, weil die Textwirklichkeit des Textes, den ich hier als Absturz vorführe, indirekt an textfremden Ereignissen sich dergestalt rieb, dass er eben brach.

Und tatsächlich, auch das darf ich sagen, ohne verhaftet zu werden oder jemanden zu beleidigen oder gar zu delegitimieren, wäre der tatsächlich abgebrochene Text, von dem hier die Rede ist und dessen Absturz als ausgeschriebener hier nun eben den gestürzten Text ersetzt, auf jenen Hotzenplotz von Otfried Preußler zu sprechen gekommen. Und auf die vielen Hotzenplotzgeschichten rund um die magische Sprengung in der Ostsee, für die auch gänzlich unmagische und erst noch sehr viele Daten gesammelt worden sind. Mit Daten hat man keine Wirklichkeit, Kinder, aber man hat einen Datentext, man darf es auch Modell nennen, der in die Nähe dessen führt, was man einfangen möchte. Diese Daten sind aber mit dem Textabbruch mitgestürzt. Vielleicht nicht „wirklich“, aber zumindest für die Lesenden an dieser Stelle. Es gibt sie HIER nicht. Die Sprengung in der Ostsee aber bleibt wohl – es sei als These gesetzt – unverändert. Das beruhigt, nicht wahr.

Wirklich?

Bleibt sie wirklich unverändert, Kinder? Inwiefern unverändert? Bestimmt nicht unverändert bleibt sie in unserem Bewusstsein, das keinen direkten Zugang hat zu dieser Sprengung, sei sie nun nuklear gewesen oder nicht. Das Bewusstsein saugt sich vielmehr an jeder Vermittlung fest. Es muss. Nicht weil es selbst Vermittlung wäre – ein Denkfehler der Materialisten, Goethe hat das schon herausgestellt, Kinder –, aber weil es anders zu rein gar nichts kommen kann. Für das Bewusstsein ist der Absturz eines Textes also bestimmt ein Ereignis, das über den angebrochenen Text hinaus Wirklichkeit verändert. Aber für die Ostsee, so möchte man meinen, bleibt die Sprengung exakt dieselbe, ob ich nun diesen eigentlichen Text, der die Verhältnisse bei dieser Sprengung behandelt, hier habe abbrechen müssen oder nicht.

Und nur der Anschaulichkeit wegen sei angefügt: Auch für den jüngst erfolgten Landeanflug einer iranischen Maschine – mit der Verhandlungsdelegation mit an Bord – auf Zürich-Kloten, am 20. Juni kurz nach 20 Uhr heil an Ort eingetroffen, bleibt die Wirklichkeit dieselbe, ob nun mit dem abgestürzten Text auch der dort nachträglich zugeführte Zusatzhinweis auf diesen Anflug mit abgestürzt ist oder nicht. Wie nah oder fern dieser Flug von einer unschönen Landung gewesen ist, vermag ich nicht zu sagen, Kinder, aber das ist nicht mit dem Absturz des Texte zu verwechseln, hat doch dieser Landeanflug, wie immer er vonstatten ging, den Textabsturz am Ende nicht bewirkt, indes der Hinweis darauf doch den Weltkonzern mittels KI zu einer kleinen Maßnahme angeregt, die den abgestürzten Text tangiert hat, wenngleich nur in den Fußnoten.

Die wirkliche Frage

Wir aber müssen uns längst fragen, Kinder: Gibt es einen Zugang zur Ostsee, der nicht über das Bewusstsein führt? Oder Zugang zum Landeanflug einer Maschine? Die Zahlenmenschen würden wohl sagen: Ja, über Zahlen ist der zu haben, so sagen sie. Aber Zahlen sind immer im Bewusstsein, nie außerhalb, nicht wahr. Und was Zahlen, sind sie außerhalb, machen, bleibt so spekulativ wie das, was die Ostsee täte außerhalb des Bewusstseins? Nun gut, man könnte vielleicht darauf verweisen, dass dieser Landeanflug, um zum anderen Beispiel zurückzuspringen, laut Zahlen einer Flugsicherung Interferenzen ausgesetzt gewesen sei und dass dies nur für diesen einen Flug gegolten habe und nicht für den vorher und nicht für den danach. Und man kann weiter ausrechnen, dass die Wahrscheinlichkeit eines zufälligen solchen Geschehens fast schon im Nanobereich liegt. Und dann kann man darauf verweisen, dass so ziemlich gleichzeitig der US-Präsident davon gesprochen hat, die iranische Delegation würde niemals mehr nach Hause kommen. Und plötzlich ergeben sich in der Tat Fragen für Wirklichkeiten. Auch nach jener, weshalb diese Fragen nicht von den Iranern und ihrem Piloten selbst gestellt werden.

Fledermaus und Unhintergehbarkeit

Gleichwohl, keine Zahl ist die Wirklichkeit, Kinder. Der Philosoph Thomas Nagel hat es in den Neunzigern schon mit der Fledermaus eingefangen. Angenommen, wir wüssten jedes Detail des neuronalen Geschehens in der Fledermaus, wirklich absolut vollständig alles wäre quantifizierbar, so könnten wir vielleicht eine Fledermaus konstruieren, aber wir hätten keine Ahnung, wie es ist, eine Fledermaus zu sein.

Es geht um Unhintergehbarkeiten, die an das anthropologische Modell geknüpft sind. Unhintergehbarkeiten, die selbst kein Wirklichkeitsmodell für irgendwas außerhalb sind, sondern nur für unsere Erkenntnis selbst. Dieser Satz ist definitiv nicht hintergehbar. Bitte den Satz endlos weiterdenken...

Aber die Unhintergehbarkeit hebt die Frage nach Zusammenhängen nicht auf. Sie entbindet von keiner Analyse. Gerade sie führt zur Frage, was haben Geschehen 1 und Geschehen 2 miteinander zu tun? Was hat die mögliche Störung eines Landeanflugs mit der Drohung des US-Präsidenten, die Delegation – es ist die, die im anfliegenden Flugzeug sich befindet – würde nicht mehr nach Hause kommen, zu tun? Eine Antwort darauf kann nie, es mag dies bitter klingen, die Wirklichkeit sein, aber eine Antwort kann eine explanatorische Stärke haben, indem sie über verschiedene Codierungen hinweg Beziehungen, Muster und dergleichen herausstellt.

Keiner, der lebt. Oder: Die Mythologie hinter allem

Kein Heutiger war in Hiroshima dabei, als die Bombe explodierte. Und selbst wenn einer noch wäre, hat er eine Wirklichkeit, die zum Modell würde, sobald er sie mitteilt. Wirklichkeit bleibt einzig für sich allein. Bleibt nur für ein Bewusstsein außerhalb einer medialen Struktur. Keiner weiß, wie es in Pompeji war, als es unter der Asche verschwand. Wenn einer es weiß und nicht einfach erfährt, ist es schon nicht mehr das Erfahrene. Gilt auch für den Seilbahnabsturz in Engelberg im vergangenen Winter. Jeder bleibt allein mit der Wirklichkeit. Heißt: Jeder bleibt allein. Ein Textabbruch mag ein Platzhalter dafür sein. Platzhalter für Einsamkeit. Ein ausgeführter Textabbruch, ein Textabbruch, der zu Text wird, ist nicht einmal das. Er ist schon wieder Rauschen im Universum. Egal, ob da Wörter stehen oder mathematische Gleichungen.

Der Landeanflug und die Sprengung in der Ostsee sind durch den Textabbuch – den ich in einem gewissen Sinne nur simuliere, das sei zugegeben, aber der Grund für die Simulation ist nicht simuliert... – nach allem, was wir wissen, betroffen und gleichzeitig nicht betroffen. Nicht betroffen sind die An-sich-Ereignisse, die wir aber als An-sich-Ereignisse nur über unser Bewusstsein vermittelt und also betroffen vorfinden können. Und dass Zahlen dieses Bewusstsein ersetzen könnten, Kinder, ist die Zauberei der Materialisten. Zahlen sind ein Code wie jedes Zeichen. Und wenn der große Gott der Voraussagbarkeit aufgrund von Zahlen und Rechnungen beschworen wird – fällt die Nähe zur Mythologie nicht auf, zur Religion der Religionen? –, so bleibt es eine Voraussagbarkeit innerhalb der Wirklichkeitsmodelle und ihrer Voraussetzungen. Auch ein vorhergesagter Lawinenniedergang ändert daran nichts. Die Nähe zur Wirklichkeit macht Modelle – also auch Zahlen als Bestandteil davon – ja erst zu explanatorisch starken Wirklichkeitsmodellen. Der nicht vorhergesagte Niedergang einer Lawine indes ist nicht unwirklicher, nur weil er nicht vorausgesagt worden wäre, nicht wahr, Kinder?

No access oder Zusammenfassung des Abbruchs

Der Text musste also abgebrochen werden, weil die Weltpolitik und Machtstrukturen hineinfunkten, ja, das auch. Und nein, das funkte zwar hinein, ja, reichte aber nicht für den Abbruch. Der Text ist an Wirklichkeitsmodellen zerbrochen, welche Deutung der Welt mit Welt verwechselten. Und das darf gerade einer Dissidenz, die Dissidenz sein will, nicht passieren, egal, welche Ereignisse beleuchtet werden. Auch diese Verwechslung und das Benennen der Verwechslung finden innerhalb von Wirklichkeiten statt, zu denen kein direkter Zugang ist.

Aber nein, diese Ausführungen, die Sie gerade lesen, entfernen einen allenfalls gestörten Landeanflug der iranischen Maschine auf den Flughafen Zürich-Kloten und die Aussagen des Golfspielers aus Florida (auch diese Nennung ein Wirklichkeitsmodell, ein explanatorisch starkes erst noch) keinen Millimeter voneinander. Im Rahmen unserer Wahrnehmung und deren Verarbeitung fallen beide in ihrem Zusammenspiel auf. Muster entstehen. Und das ist bestimmt gut so, auch wenn die Aussage mit den Mustern selbstredend bereits Teil eines Modells ist.

Weiter aber kann es auch Menschen, die das, was sich abspielt, gar nicht so weit auseinander deuten, passieren, dass sie sich in ihren Modellen verheddern. So sehr, dass ein Text, gemeinsam angedacht, zum Absturz kommt. Die Wirklichkeitsmodelle, in denen sie sich verstricken, liegen womöglich gar nicht weit von der Wirklichkeit – zu der es keinen Zugang gibt – entfernt. Und doch verstricken sie sich so sehr, dass sie nicht mehr rausfinden. Rausfinden zum Leben.

Was heißt das nun für die Wirklichkeit, die wir selber sind, als Wesen, die Angst haben, etwas zu schreiben, wenn wir wissen, es könnte mit der Wirklichkeit, die wir in der Annäherung ausschreiben, jene Instanz in Wallung geraten, welche auch in der Lage ist, einen Landeanflug zu manipulieren, zum Beispiel? Oder als Wesen, die das andere Wirklichkeitsmodell nicht aushalten, bloß einfach, weil wir mehrere Wirklichkeiten nicht ertragen und nur die eine wollen? Was heißt das aber für mich, der hier über eine Absturzstelle hinweg weitergeschrieben hat, weil er die Wirklichkeit eines Textabsturzes nicht hinnehmen wollte, wissend, dass auch dieser Textabsturz nur ein Modell der Wirklichkeit ist? Für mich, der weitergeschrieben nach dem Satz:

Der Tod ist bis zum Tod ein Gedanke.

Und was, Kinder, wird aus dem Tod, der ein Gedanke ist, wenn der Tod kommt?

Absturzüberreste

Das Gedicht aber stand schon im abgestürzten Text. Es hat, uff, den Absturz überlebt. Hier ist es.

Wir sind schon im Abgrund / ANGEKOMMEN / in den zu fallen /wir fürchten

Passt bloß auf / Dass keiner es merkt

Wie aber / lässt es sich / aus einem Abgrund / herausDENKEN / wie gar RAUSfinden / ohne jede Ahnung / DRIN zu sein

Und was bedeutet das für die nukleare Bedrohung, nach der Maria fragt? Ist sie draußen oder drinnen? Von welcher Wirklichkeit umgarnt?

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Daniel Sandmann ist promovierter Philosoph und Linguist. Er betreut bei Manova den Literatursalon und hat – unter verschiedenen Namen und in kleinen Verlagen – Romane, Dokumentationen und Erzählungen veröffentlicht; jüngst erschienen: Teer Sandmann: Raffen, Sterben, Trance; demnächst in noch unbekanntem Theater: ZWERG, Roman.

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Bildquellen: Blick in die Gasröhren, die Russland und Deutschland verbinden sollten (Titelfoto von 2011: Harald Hoyer, CC BY-SA 2.0)