Manchmal muss man improvisieren. Als ich Sven Brajer im Studio getroffen habe, war sein Buch noch nicht wirklich fertig. Ich hatte eine Datei bekommen, das schon, aber der Weg zur Publikation im März 2023 war noch weit. Es fehlten Kapitel und wahrscheinlich auch ein Lektor. Wenn wir mit dem Interview aber am Erscheinungstag online sein wollten, blieb keine Wahl. Also sprechen und hoffen, dass alles gut wird.
Das Thema war natürlich dankbar: die SED und das, was seit 1990 daraus geworden ist. "Die Selbst(Zerstörung) der deutschen Linken" steht auf Brajers Buch. Untertitel: "Von der Kapitalismuskritik zum woken Establishment". Als Interviewer hatte ich vorher noch nie ein Thema, bei dem ich so sehr Zeitzeuge und dazu noch in gewisser Weise Experte war, weil die DDR in all ihren Facetten bis hin zum kollektiven (politischen) Gedächtnis der Gegenwart eines meiner wichtigsten Forschungsthemen ist.
Auf Sven Brajer war ich über seinen Blog Im Osten gekommen – auch auf der Suche nach jemandem, der nicht schon 100 ist und trotzdem über das sprechen kann, was ich dem Stammpublikum von Apolut gern zeigen wollte.
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