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Bericht | 05.10.2026
Mensch beweg dich!
Der 5. PNI-Kongress in Innsbruck blickt auf den Sport und fragt, wie man damit zufrieden und alt wird. Eindrücke von draußen.
Text: Michael Meyen
 
 

Sorry für die Abkürzung in der zweiten Überschrift. PNI heißt Psychoneuroimmunologie – ein Wortungetüm, das unser Format genauso sprengt wie die Grenzen zwischen den Disziplinen, die sich mit Gesundheit und Wohlbefinden beschäftigen, und das ich ohne Corona vermutlich gar nicht kennen würde. Genauer: Ohne Corona hätte ich Christian Schubert nicht getroffen, einen Maßnahmenkritiker der ersten Stunde, der die Psychoneuroimmunologie drei Jahrzehnte lang in Innsbruck vertreten (und es jetzt ganz regulär in die Rente geschafft) hat und bei mir sofort einen Nerv traf mit seinen Appellen gegen eine Medizin, die den Menschen als Maschine sieht, zu reparieren und zu tunen wie ein Auto. Was ist mit dem Drumherum? Was macht das, was wir denken und fühlen, was uns belastet und freut, was wir erleben und erleiden – was macht all das mit dem Immunsystem und damit auch mit dem Körper?

Damit ist fast schon erklärt, was ein Medienforscher wie ich auf einem PNI-Kongress zu suchen hat. Es fehlt noch der Link Fußball, der mich mit Christian Schubert verbindet und zu einer Einladung nach Innsbruck geführt hat. Es geht um Sport, Michael. Das passt perfekt zu deiner Forschung. Ja, einerseits. Ich habe untersucht, wie sich der Profifußball verändert hat, damit er in den Medien funktioniert – erst im Kommerz-TV und dann auf den Digitalplattformen. Andererseits stammen diese Studien aus einem anderen Leben. Universität und Großstadt, Kongresse, Seminarräume und Akademikerpublikum: Spätestens mit der Versetzung in den Ruhestand habe ich all das hinter mir gelassen. Das große Aber: Mein Ja-Wort vom letzten Herbst stand. Also zurück in die Vergangenheit und auf nach Innsbruck.

Bildbeschreibung Das Kongresszentrum dort grenzt direkt an die Altstadt. Gegenüber: das Landestheater, wo sich jemand an einem Wortspiel versucht (Bild oben). Witz komm raus, du bist umzingelt. Die Jugend kann diesen Freunden der Kunst ohnehin nicht entkommen. „WIE REELS NUR REALER“, ruft das Haus in Großbuchstaben, aber ohne Komma. Den Leuten auf der Straße ist das egal. Sie starren in ihr Smartphone, halten das Vanilleeis in die Kamera, die Gipfel im Hintergrund, und filmen sich selbst. Achtung, die Bergbahn fährt ein. Lächeln und hoffen, dass das Ding tatsächlich ins Bild kommt. Im Park sprechen mich dann die Papierkörbe an (Bild unten). Heißt: Die Stadtreinigung leistet sich PR und Influencer. Folge: Kreativität, wohin das Auge blickt – sogar bei einer Baustelle in der Fußgängerzone, ein paar Meter entfernt von der Anna-Säule, aufgestellt offenbar ohne Spritzer oder Bier. Auch um die Kinder muss man keine Angst haben. Ich winke zehn Vierjährigen, alle dick eingemummelt an diesem warmen Oktobertag, verkleidet mit leuchtend-gelben Warnwesten und damit ungefähr so beweglich wie ich. Eine Freude, dieses Leben in einer reichen Stadt. Und dabei habe ich noch nichts gesagt über Touristen aus Asien und die Masken im Stadtbild. Herbst! Viren! Inzidenzen!

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Im Kongresszentrum: 450 Menschen, die die Psychoneuroimmunologie der Sonne draußen vorziehen. Wenn man so will: das Lebenswerk von Christian Schubert, der diese Veranstaltung 2016 gestartet und einen harten Kern um sich geschart hat, auch vorn auf dem Podium. Daniela Renn zum Beispiel, Psychologin aus Innsbruck, die den Kongress im Namen ihres Berufsverbands eröffnen darf und alle anregt, auf jemanden zuzugehen, mit dem man noch nicht gesprochen hat. Ein Appell gegen jede Kontaktschuld, mit fast so viel Beifall aufgenommen wie der Satz, dass dieses Grußwort nicht von der KI geschrieben worden sei und folglich ein paar Schwächen haben könne.

Ich erspare Ihnen und mir eine Zusammenfassung der Vorträge. Wer je in so einem Saal gesessen hat: Gleich am ersten Tag war alles dabei – von der ausgefeilten Rede, gespickt mit Zitaten und abgelesen vom Blatt, über die Nachwuchsforscherin, die den Forschungsstand mit Charme und Bildchen präsentiert, und den Professor, der erkältet daheim am Laptop sitzt und dem Publikum über unzählige Grafiken vermittelt, wie viele Mitarbeiter er hat, wie viel Forschungsgeld und wie viele tolle Publikationen, bis zum Unterhalter, der das Pult ein Pult sein lässt und das Mikro eher wie ein Schlagerstar hält. „Deutschlands Hirnerklärer Nr. 1“ hat der Verlag auf das Buch von Damir del Monte geschrieben. Ein Date mit deinem Gehirn. Die Leute klatschen schon, als Thema und Name aufgerufen werden, und murren kein bisschen, als der Sänger gnadenlos überzieht und an der Kaffeepause knabbert. Ich habe gerade ein Date mit Eben Alexander hinter mir, als Neurochirurg vom Fach und lange in der Welt der Maschinenmedizin zu Hause, dann aber vom Glauben abgefallen, als er sieben Tage im Koma lag und eine Seelenreise antreten durfte, obwohl sein Gehirn von Bakterien zerfressen wurde. Wer weiß. Auch dieser Eben Alexander ist ein großartiger Unterhalter und, das sagt er selbst in seinem Buch, „der lebende Beweis“, dass das Bewusstsein nicht zu erklären ist von einer Wissenschaft, die die Welt auf Materie reduziert und auf das, was gemessen und benannt werden kann.

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Sicher scheint: Auch die Sportmediziner wissen nicht viel mehr als ein Freizeitläufer wie ich. Pausen machen und regenerieren, Stress mitdenken, sich auf die Ausdauer konzentrieren und nicht alles nachplappern, was die Zeitungen schreiben. Die Idee Open Window etwa, die sagt, dass das Immunsystem die ersten Stunden nach einem harten Training oder gar nach einem Wettkampf im Keller ist. Nicht belegt, sagt die Nachwuchsforscherin. Und völlig unklar, was da genau im Körper passiert. Also halte ich mich an Christian Schubert, der das Kongressmotto „Mensch beweg dich!“ nicht als plumpen Aufruf verstanden wissen will. Sport ist nicht Sport. Denkt die psycho-sozialen Faktoren mit, liebe Leute, Druck zum Beispiel oder Zwang. Ihr kennt doch die Studie aus Kopenhagen, die mehr als 8.000 Menschen 25 Jahre lang beobachtet hat, um den Zusammenhängen von Sport und Sterblichkeit auf den Grund zu gehen. Tennis: plus 9,7 Jahre. Federball 6,2 und Fußball 4,7. Radfahren, Schwimmen, Joggen und Gymnastik immerhin noch etwas mehr als drei Jahre und das Fitnessstudio nur anderthalb. Das heißt: Ihr müsst mit anderen spielen, wenn ihr alt werden wollt. Ihr braucht Menschen um euch.

Von den Menschen vor Ort kenne ich nur Christian Schubert, aber es kommen im Laufe der Zeit einige, die mich kennen und mir Geschichten erzählen, die nicht viel anders sind als meine. Mein Vortrag über den Fußball? Kann man in Kurzform nachlesen. Ich habe am zweiten Tag einen Workshop angeboten zum gleichen Thema und dort eine feine Frage bekommen: Ist eine Welt ohne Profifußball denkbar? Antwort eins: Ja, denn es gab diese Welt schon, und das ist noch nicht einmal hundert Jahre her. Antwort zwei: Nochmal ja, denn es gibt diese Welt wieder – in den Parallelgesellschaften, die in den letzten Jahren gewachsen sind und sich einen Teufel scheren um alles, was der Konzernstaat an Ablenkung in seine Kanäle kippt. Auch deshalb muss ich hier nicht erzählen, wie der Fußball verformt wurde, um als Ideologie-Transporter zu funktionieren.

Bildbeschreibung Bild: Christian Schubert (schwarz) Anfang 2022 bei einer Demo in Bregenz (Foto: Asurnipal, CC BY-SA 4.0)

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Bildquellen: Seegrube hoch über Innsbruck, 3. Oktober 2026 (Innsbruck-Fotos: Michael Meyen)