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Nachrichten | 09.10.2026
Der Tag in drei Sätzen
Letzter Aufschlag vor dem Wochenende. Mit etwas Aufregung um den Friedensnobelpreis, Wild West in Germany und einem Komikerorden.
Text: Michael Meyen
 
 

Der Friedensnobelpreis geht an die Südafrikanerin Navanthem Pillay, die für ihren Einsatz in Ruanda und gegen die Apartheid geehrt wird, aber auch die Regierung Israels kritisiert und sofort entsprechende Reaktionen der Springer-Presse kassiert hat (Bild: „umstrittene Juristin“, „Israel-Gegnerin“, Welt: Das Nobelkomitee mische sich „überraschend stark“ in den Nahostkonflikt ein).

Nach den Schüssen in Berngau in der Oberpfalz (zwei tote Behördenmitarbeiter nach einer Waffenkontrolle) und Tuttlingen (ein toter Afghane nach einem Polizeieinsatz) gibt es am Freitagnachmittag mehr Fragen als Antworten.

Hape Kerkeling hat den „Mensch-in-Europa-Award“ bekommen (verliehen vom Verlag der Passauer Neuen Presse) und damit nach seinem Anti-AfD-Auftritt im Thüringer Landtag einen weiteren Schritt in Richtung Bundespräsidentschaftskandidatur geschafft (so die Deutung von Roland Dantz in der OAZ).

Titelbild: Navi Pillay 2018 (Foto: Wayamo Foundation, CC BY-SA 2.0)

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Wieder zum Kaffee – ohne Literaturnobelpreis (Anne Carson) und Steuerdebatte im Bundestag. Dafür mit einem Propagandaorchester vom Feinsten.

Berliner Weg zur Macht: Linke, SPD und Grüne haben sich auf zwei Papiere zum Antisemitismus (unter anderem: mehr Geld für „Beratungs-, Aufklärungs- und Meldestrukturen“) sowie zum Umgang mit der organisierten Kriminalität geeinigt („klare Distanz“) und so das Tor zu Sondierungsgesprächen geöffnet.

Aus für Bremen: Ryanair verlässt nach Frankfurt am Main, Düsseldorf, Stuttgart, Dortmund, Dresden und Leipzig/Halle ab April einen weiteren deutschen Flughafen – auch wegen der Standortkosten (Steuern, Gebühren), die deutlich stärker gestiegen sind als im europäischen Ausland.

Medialer Gleichklang: Innerhalb von drei Minuten haben Tagesschau, Süddeutsche Zeitung und Die Zeit kurz nach 9 Uhr Vorschautexte auf den Andromeda-Prozess eröffnet, der nächsten Mittwoch in Hamburg beginnt, einen ukrainischen Offizier beschuldigt, Nord Stream gesprengt zu haben, und von einem Rechercheteam aus etlichen ARD-Redaktionen und den beiden genannten Medienkonzernen gemeinsam bearbeitet wird.

Bildbeschreibung Titelbild: Elif Eralp, Hakan Demir und Raed Saleh (beide SPD) am 2. Februar in der Berliner Khadija-Moschee (Foto: Michael Unger, CC BY-SA 4.0)

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Am DDR-Geburtstag schon zum Kaffee – mit zwei Aufgüssen von gestern. Wie das so ist nach historischen Tagen. Das weiß auch Super-Mario.

Nachklapp I: Während das politische Berlin streitet, woher in Magdeburg die Stimmen für Landtagspräsident Rausch gekommen sein könnten (Die CDU war‘s! Nein, die anderen, um die Union zu stressen!), gehen SPD-Abgeordnete mit dem Grundgesetz in der Hand durch das Brandenburger Tor und hören Verteidigungsminister Pistorius zu, der „nach einer engagierten Rede“ (Tagesschau) die Nationalhymne anstimmt.

Nachklapp II: „Noch so ein Ding, und wir können einpacken“, sagt Konstantin von Notz, für die Grünen im Bundestags-Geheimdienstausschuss, der Süddeutschen Zeitung, und fordert „sehr viel schärfere Regeln“ für „Berufsgeheimnisträger“ wie Ex-BND-Chef Hanning, der inzwischen in U-Haft sitzt.

Ohne Nachklapp: Thüringens Ministerpräsident Voigt hat die Klage gegen den Entzug seines Doktortitels zurückgezogen.

Bildbeschreibung Bild: Boris Pistorius am Dienstagabend unter Getreuen (Foto: Kay Nietfeld, dpa)

Dienstag, 6. Oktober 2026

Mit zwei Nachrichten, die in die Geschichte eingehen, und einer dritten, die das auch schaffen könnte.

„Geheimdienstaffäre von historischer Dimension“ (Tagesschau): EX-BND-Chef August Hanning, im Amt von 1998 bis 2005 und inzwischen 80, ist wegen eines Spionageverdachts festgenommen worden – ein Mann, der 2002 nicht an Massenvernichtungswaffen im Irak glaubte, 2015 Merkels Flüchtlingspolitik scharf kritisierte und der Kanzlerin später Vertuschung vorwarf, weil sie 2020 die BND-Infos zu einem Laborunfall in China unter Verschluss gehalten hatte.

„Schwarzer Tag für unsere Demokratie“ (Linkspartei): Tobias Rausch, 35, hat bei der Wahl zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt 48 Stimmen bekommen – vier mehr, als AfD und BSW zusammen haben.

Gleich noch ein schwarzer Tag, hier vermischt mit gelb: Sport Bild berichtet, dass Borussia Dortmund den Fanprotesten nachgibt und die Partnerschaft mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall 2027 nach drei Jahren beendet.

Bildbeschreibung Bild: Ulrich Siegmund (rechts) gratuliert Tobias Rausch (Foto: picture alliance/dpa | Jan Woitas)

Montag, 5. Oktober 2026

Mit einem Nobelpreis für den Transhumanismus, Schattenkriegern und einem spanischen Pokerspieler.

Bundeskanzler Merz feiert auf X den Medizinnobelpreis für Peter Hegemann und Georg Nagel („Deutsche Forschung ist spitze!“) – zwei Biophysiker, die geholfen haben, Nervenzellen über Licht zu steuern, so Gefühle, Entscheidungen und Erinnerungen zu manipulieren und den Menschen damit als eine Maschine zu sehen.

BND-Chef Jäger zieht bei einer Bundestags-Anhörung zur Geheimdienstreform die Russland-Karte, spricht von einem „Schattenkrieg“ gegen Deutschland und sagt, Wladimir Putin könne in der Ukraine nicht einfach aufhören, ohne seine Machtbasis zu gefährden.

Die Tagesschau begründet die Entscheidung von Pedro Sánchez, die Wahlen in Spanien auf den 29. November vorzuziehen, damit, dass mit dem Mieterschutz nach langer Zeit „wieder ein soziales Thema die Schlagzeilen“ beherrscht.

Bildbeschreibung Bild: Pedro Sánchez 2018 in Salzburg (Foto: Arne Müseler, CC BY-SA 3.0)

Freitag, 2. Oktober 2026

Mit Bahn- und Wahl-Chaos, einem kriegstüchtigen Kanzler und ohne Vorschau auf das Bürgerfest zum Einheitstag in Bremen.

Kein Zug wird kommen: Die Deutsche Bahn saniert seit heute die Strecke Hannover–Berlin, leitet den Fernverkehr über Braunschweig und Magdeburg um (plus eineinhalb Stunden) und verspricht für Pendler „Mobilität dank Ersatzbussen“ sowie die Wiederinbetriebnahme für Dezember 2027.

Politik im Kriegswahn: Kanzler Merz nutzte die Friedenspreisverleihung an die Nato („Allianz für Freiheit“) für eine Grundsatzrede („Moskau Einhalt gebieten“) und beschwört in drei Tweets das Feindbild Russland, wie Marcus Klöckner auf den Nachdenkseiten analysiert.

Wahlpanne in Berlin: Eine Nachzählung für den Spandauer Wahlkreis 1 macht den AfD-Kandidaten Tommy Tabor zum Sieger (34 Stimmen mehr als Bettina Meißner, CDU) – mit Folgen für die Sitzanzahl im Berliner Landesparlament (153 statt 158; CDU, SPD und Grüne verlieren jeweils einen Sitz, die Linken zwei).

Bildbeschreibung Bild: Der Berliner Hauptbahnhof im Juni 2026, einem Monat nach seinem 20. Geburtstag (Foto: Roy Zuo, CC BY-SA 4.0)

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Mit den Gegensätzen, die das Land zerreißen. Vielleicht hilft ja, dass der BGH eine Preiserhöhung bei Amazon Prime kassiert.

Neues von der Front: Die Nato bekommt in Münster den Preis des Westfälischen Friedens, Deutschland einen zweiten Marinehafen an der Nordsee (Bundeswehrverband: „Emden setzt sich durch“) und der Bund von der Damen-Werft eine Schadensersatzforderung von 4,7 Milliarden Euro, weil er ein Fregattenprojekt abgebrochen hat.

Alles auf null: VW-Betriebsratschefin Cavallo rechnet mit einer „heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel“, nachdem der Konzern den Haustarif für die 130.000 Beschäftigten in Deutschland gekündigt und damit Arbeitszeit, Urlaub, freie Tage, Sonderzahlungen, Eingruppierungen und Azubi-Übernahmen zur Neuverhandlung freigegeben hat.

Alles auf null – historisch: Nur 17 Prozent der DDR-Arbeitnehmer waren 1992 noch im gleichen Beruf wie 1989.

Bildbeschreibung Bild: Mark Rutte und Friedrich Merz bei der Preisverleihung in Münster (Foto: Fabian Strauch, dpa)

Chronik

September 2026

Bildbeschreibung Bild: Tanken ohne Quittung: 21. Januar 1974 in den Niederlanden (Foto: unbekannt, CC0)

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Bildquellen: Navi Pillay 2018 (Titelfoto: Wayamo Foundation, CC BY-SA 2.0)