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Chronik | 01.11.2026
Oktober 2026
Ein Monat in 66 Sätzen. Oder: Namen, Orte und Bilder für das Kollektivgedächtnis.
Text: Michael Meyen
 
 

Freitag, 30. Oktober

Kurz vor dem Wochenende verschlägt es uns die Sprache. Deshalb heute nur eine Nachricht, trotz Bitcoin-Einbruch und Geheimdienstzoff.

Paul Brandenburg ist am Mittwoch in Berlin festgenommen und nach Moabit gebracht worden – zwei Tage vor seiner Veranstaltung „Freihafen“ auf Mallorca, zu der über 300 Teilnehmer erwartet werden.

Der Tagesspiegel macht Brandenburg zu einem „Internet-Hassprediger“ sowie zu einem „deutschlandweit bekannten Agitator gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen“ und spricht von „mehr als 200 offenen Verfahren“.

Brandenburgs Anwalt Markus Haintz schreibt auf X, dass es um Beleidigung und Verleumdung von Kai Wegner geht („im Kontext“ der Dragqueen Jurassica Parka), und bittet um Briefe an seinen Mandanten sowie um Spenden.

Bildbeschreibung Bild: Paul Brandenburg im Januar in Palma (Foto: Antje Meyen)

Donnerstag, 29. Oktober

Heute mit einer Träne im Auge, aber nicht, weil EZB-Chefin Lagarde vorzeitig geht (im Februar – vor einer möglichen Le-Pen-Wahl).

Elif Eralp zum Abschuss freigegeben: Der Spiegel hat private Notizen veröffentlicht, die zeigen, dass die Berliner Bürgermeisterkandidatin Angst vor einem Hamas-Unterstützer hat, und damit eine Debatte über ihre Eignung ausgelöst.

Hickhack um Social-Media-Verbote und damit um die Anonymität im Netz: Österreich und Deutschland müssen nach einer Entscheidung der EU-Kommission jetzt mindestens ein Jahr auf eine europaweite Regelung warten, während Frankreich und Griechenland (dort jeweils Altersnachweis ab Januar) ihre Beschlüsse umsetzen dürfen.

Elke Sommer ist kurz vor ihrem 86. in LA gestorben – eine Deutsche, die es früh nach Hollywood und auf das US-Playboy-Cover schaffte und in den 1960ern und 1970ern zum Sexsymbol wurde.

Bildbeschreibung Bild: Elke Sommer vor einem Film-Mini (A Shot in the Dark, 1964, Foto: David Merrett, CC BY 2.0)

Mittwoch, 28. Oktober 2026

Heute ohne Bolsonaro (inzwischen in Miami) und auch ohne das Zugunglück auf der Trasse Madrid-Sevilla (über 60 Tote).

Patt in Israel: Stand 17 Uhr werden für den Netanjahu-Block 53 Knesset-Sitze gezählt, für das Eisenkot-Bündnis 48 und für die arabischen Listen 19.

Mehr Zeit für die Eingewöhnung: Familienministerin Prien begründet mit Vätern, Müttern und Kindergärten, warum das Elterngeld nun doch weiter bis zu 14 Monate bezogen werden kann und vielleicht sogar steigt.

Druck in der Magdeburger CDU-Fraktion: Sven Schulze soll versucht haben, über eine eidesstattliche Erklärung herauszufinden, wer die AfD-Politiker Rausch und Tillschneider in das Landtagspräsidium von Sachsen-Anhalt gewählt hat – inklusive Mandatsverzicht, falls jemand schwindelt.

Bildbeschreibung Bild: General Gadi Eisenkot 2011 (Foto: IDF, CC BY 2.0)

Dienstag, 26. Oktober 2026

Ohne den Ballon d’Or für Harry Kane, den die Leitmedien heute als eine Art Ersatzdeutschen feiern.

Eene, meene, muh: Wer wissen möchte, ob sein Wohnort zum Endlager für Atommüll werden kann und damit zu den letzten fünf Prozent gehört, findet die Begründung in einem Navigator – verbunden mit der Hoffnung, dass der Bundestag dann doch anders entscheidet.

Wahlnachwehen: Verlierer Flávio Bolsonaro darf Brasilien nicht verlassen (Vorwurf: Geldwäsche), Al Jazeera erklärt seine Niederlage mit „Lulas Armee“ (Jugend, Graswurzel-Initiativen, Digital-Mentalität), und Reuters beleuchtet US-Sanktionen, die dem Bolsonaro-Clan helfen sollten.

Hamsterzeit: Nach Großbritannien hat nun auch Japan die Bevölkerung aufgefordert, für mindestens drei Tage Essen und Wasser im Haus zu haben.

Bildbeschreibung Bild: Harry Kane beim WM-Spiel gegen Ghana, 23. Juni 2026 (Foto: Bryan Berlin / WikiPortraits)

Montag, 26. Oktober 2026

Heute mit Stress in der VW-Familie und Schlaglichtern aus Belgrad und Leipzig, wo Waffen zum Mythos werden.

Die Top-Gewerkschaftsfrauen Cavallo (VW) und Benner (IG Metall) kritisieren, dass Audi-Chef Döllner die Pläne für ein neues Werk in Georgia (vier Milliarden Dollar, 4500 Jobs, 200.000 SUVs im Jahr) an der Seite von Donald Trump verkündet hat („aktive Wahlkampfhilfe“, „politisch inakzeptabel“ und „peinlich“).

„Das größte politische Projekt, das Europa seit Jahren gesehen hat“, sagt TKP-Autor Thomas Oysmüller nach dem Wahlsieg der „Studentenliste“ in Serbien und sieht eher ein Vorbild „für andere oppositionelle Bewegungen“ als einen Regime Change made in Brüssel.

„Siegfried SF1-100“ heißt das Raketensystem von Falk Defense, das in Leipzig entwickelt werden soll, obwohl dort am Wochenende 400 Menschen gegen ein anderes Rüstungsprojekt auf der Straße waren (die neue Covenant-Halle für den Marschflugkörper Anthem).

Bildbeschreibung Bild: Proteste in Belgrad am 22. Dezember 2024 (Foto: Stefan Miljuš, CC0)

Freitag, 23. Oktober 2026

Letzter Aufschlag vor dem Wochenende. Ohne die Schießerei im Raum Paris (ein Toter plus Schwerverletzte) – und trotzdem mit jeder Menge Waffen.

Benjamin Netanjahu hat das Militär angewiesen, eine Sperre um Hebron zu errichten und sich darauf vorzubereiten, das Palästinensergebiet vor den Wahlen am Dienstag abzuriegeln.

Fußball-Weltmeister Mesut Özil hat die Verbände aufgefordert, die „Doppelmoral“ zu vergessen und Mannschaften aus Russland genauso mitspielen zu lassen wie Teams aus Israel.

„Die Zahl der Extremisten mit Waffenerlaubnis steigt“, meldet die Tagesschau nach einer Rundfrage in den Innenministerien (auf mehr als 1600, die meisten rechts, „Reichsbürger“ und „Selbstverwalter“), sagt aber nicht, was Extremismus ist, und wirft „Linksextremisten, Islamisten, radikale Querdenker und sonstige Extremisten“ auch noch in einen Topf.

Bildbeschreibung Bild: Mesut Özil 2021 im Trikot von Fenerbahçe (Foto: beIN SPORTS Türkiye, CC BY 3.0)

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Heute mit einem geizigen Steuerstaat, einer Vorschau auf den 31. Oktober und dem Abschied von einer Ikone.

Finanzminister Klingbeil sieht „keine neuen Spielräume“ (etwa beim Strom), obwohl die Steuerschätzer 2027 für den gesamten Staat (Bund, Länder, Kommunen) inzwischen mit mehr als einer Billion Euro Einnahmen rechnen und für Klingbeils Haushalt heute noch einmal ein Plus von 4,1 Milliarden Euro voraussagten.

Stefan Homburg verlinkt die Aufrufe zu Protesten nach französischem Muster am 31. Oktober ganz ähnlich wie Henning Rosenbusch mit der Gefahr, dass Grundrechte beseitigt werden.

„Es reicht“, sagt Alice Schwarzer und stellt im Dezember nach knapp 50 Jahren ihre Zeitschrift Emma ein.

Bildbeschreibung Bild: Alice Schwarzer 1977 (Foto: Heinz Baumann, ETH-Bibliothek Zürich, CC BY-SA 4.0)

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Noch einmal von unterwegs und deshalb vergleichsweise spät. Mit Ängsten, Hoffnungen und Realitäten.

Netz-Angst: Nach dem KI-Hype und Hackerangriffen geistert heute eine Sicherheitslücke durch die Nachrichten und die Meldung, dass etliche Webseiten deshalb vorübergehend nicht mehr erreichbar waren.

Friedens-Hoffnung: Wladimir Putin hat nach einem Besuch des Trump-Sondergesandten Witkoff in St. Petersburg Gespräche mit der Ukraine und den USA zugesagt (wahrscheinlich ab 10. November in Abu Dhabi) und Stephen Hubbard freigelassen, einen US-Bürger, der vor vier Jahren verhaftet und dann verurteilt worden war.

Das Kapital bei der Arbeit: Die Junge Welt berichtet, dass es beim Investitionsgipfel der Bundesregierung auch darum gegangen sei, Rente und Energieversorgung für Heuschrecken wie Blackrock, JP Morgan oder KKR zu öffnen.

Bildbeschreibung Bild: Jared Kushner (links) und Steve Wittkof Anfang September in Moskau (Foto: Kreml, CC BY-SA 4.0)

Dienstag, 20. Oktober 2026

Heute von unterwegs und deshalb erst als Betthüpfer. Mit einer Beruhigungspille und zwei Aufregern vor dem Schlafengehen.

Weiter, weiter mit Versprechen: Friedrich Merz verkündet nach dem Investitionsgipfel Zusagen von 230 Milliarden Euro und rechnet offenbar damit, dass das Wahlvolk ähnliche Termine aus dem Vorjahr schon vergessen hat (Juli 2025: 631 Milliarden für drei Jahre).

Deutsche Wertarbeit: Nachdem im September bei vielen Fahrzeugen eine Schraube an der Lenkung locker war, ruft VW nun mehr als 70.000 E-Autos zurück, weil die Batterie brennen könnte.

Neues aus Schilda: „Unfassbare Mega-Panne von Regierung und Bundestag“, sagt die Bild-Zeitung, weil die Tabaksteuererhöhung schon heute im Gesetzblatt steht und folglich ab null Uhr gelten müsste (und nicht erst ab 1. Januar), wenn es denn schon entsprechende Banderolen geben würde.

Bildbeschreibung Bild: VW Käfer, gebaut von 1972 bis 1975 (Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0)

Montag, 19. Oktober 2026

Heute mit teuren Häppchen, Wochenend-Nachwehen und einem Vorgeschmack auf das, was kommen könnte.

Fünf Millionen Euro kosten der Investitionsgipfel, zu dem Kanzler Merz 200 Unternehmen aus dem In- und Ausland eingeladen hat, und die damit verbundene Werbung für Deutschland als Wirtschaftsstandort.

Die Bilder aus Frankreich (Plünderungen und brennende Gebäude, etwa das Rathaus von Limoges) haben den Streit um die Migrationspolitik in der EU verschärft und neben US-Präsident Trump („Schließt eure Grenzen und übernehmt die Kontrolle, bevor es zu spät ist!“) auch Donald Tusk (Polen) und Péter Magyar (Ungarn) dazu gebracht, öffentlich für eine harte Linie einzutreten.

Wenn das Sondierungspapier von Rot-Grün-Rot Wirklichkeit wird, dann können in Berlin künftig alle Menschen wählen und gewählt werden, die mindestens fünf Jahre im Land sind – in einer „Willkommensstadt“, die „so schnell wie möglich klimaneutral werden“ soll.

Bildbeschreibung Bild: Rathaus in Limoges am Samstag (Foto: picture alliance / Hans Lucas | Elise Cabane)

Freitag, 16. Oktober 2026

Ohne Tabaksteuer (hatten wir schon), das Prügelvideo aus Frankfurt an der Oder (abwarten) und den Steuerbatzen an Nvidia (kommt sicher Montag).

Ein Bier weniger im Jahr für jeden EU-Europäer: Auf diese Formel brachte Lettland-Premier Kulbergs beim Gipfel in Brüssel den Streit um 70 zusätzliche Milliarden für die Ukraine und ging dabei offenbar von Getränkepreisen aus, die weit über dem Münchner Oktoberfest liegen.

Zehn Euro pro Monat: Der Bund zahlt ab 2027 für alle Kinder (Jahrgang 2020 oder jünger) vom 6. bis zum 18. Geburtstag in einen Kapitalfonds ein, den die Eltern aussuchen und aufstocken können und der dann am Sankt-Nimmerleins-Tag die Rente der Kleinen retten soll.

Plus drei Prozent: Die Aktien von VW, BMW und Mercedes haben zugelegt, nachdem Friedrich Merz und Emmanuel Macron vom Verbrenner-Aus (beschlossen eigentlich für 2035) abgerückt sind.

Bildbeschreibung Bild: Andris Kulbergs, Wolodymyr Selenskyj und Petteri Orpo (von rechts) im Juni beim Nordic-Baltic-Gipfel (Foto: Stenbocki maja, CC BY-SA 4.0)

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Heute mit dem letzten Aufgebot und zwei Meldungen aus der Welt der Verbote.

Ende der Freiwilligkeit: Der Bundestag hat ein Gesetz beraten, das es Reservisten und Arbeitgebern erheblich erschwert, Dienst und Übungen abzulehnen, und so die Personalreserve der Bundeswehr von derzeit 60.000 auf 200.000 Soldaten erhöhen soll.

Aus für das Wegbier: Ab heute ist Alkohol auf allen Bahnhöfen in Deutschland verboten, obwohl Innenminister und Polizei nicht glauben, dass sich das durchsetzen lässt.

Weg mit dem Video: Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Eilverfahren entschieden, dass Katherina Reiche das Neutralitätsgebot für Staatsorgane verletzt habe, als sie der Linkspartei über den Account des Wirtschaftsministeriums vorwarf, „Antisemitismus offen“ zu leben.

Bildbeschreibung Bild: Mayrhofen in Tirol, 1979 (Foto: Roger Wollstadt, CC BY-SA 2.0)

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Heute mit der Sondersitzung in Magdeburg, der Zuckergetränkesteuer und Rauchzeichen aus Tirana.

Friedenszeichen aus Sachsen-Anhalt: Der Landtag fordert die Landesregierung mit den Stimmen von AfD und BSW auf, sich im Bund für ein Ende der Russlandsanktionen einzusetzen sowie gegen noch mehr Waffen und Geld für die Ukraine.

Schwarz-rote (S)teuerung: Limo, Eistee, Energydrinks und Radler sollen ab Juli deutlich mehr kosten (der Zwölferkasten Cola zwischen vier und sieben Euro) und dem Bund im Jahr knapp eine zusätzliche Einnahme-Milliarde bringen.

In Tirana brennt das Bildungsministerium – Ergebnis von Protesten, die an die Flamingo-Bewegung anknüpfen, bei der es seit Mai um ein Bauprojekt von Trump-Schwiegersohn Kushner geht und die den Rücktritt von Premier Edi Rama fordert.

Bildbeschreibung Titelbild: Proteste in Tirana am 21. Juni (Foto: Albinfo, CC BY 4.0)

Dienstag, 13. Oktober 2026

Heute schon am Nachmittag: Mit Frankreich vor der Zerreißprobe, spanischer Symbolpolitik und ohne Luftnotlage am Nürnberger Flughafen.

In Frankreich gehen die Straßen- und Schulproteste weiter, parallel beginnen die Haushaltsberatungen für 2027 – mit Kürzungsplänen bei Entwicklungshilfe und Beschäftigung sowie deutlich steigenden Militärausgaben.

Der spanische König Felipe VI. sieht heute in Ceuta nichts mehr von der Zeltstadt, in der Tausende Migranten wochenlang ausgeharrt hatten und die vor gut einer Woche von der Polizei geräumt wurde.

50,04 Prozent der Slowenen haben gegen die Abschaffung der Rundfunkgebühr von rund 14 Euro gestimmt und damit auch gegen Ministerpräsident Janša, der die Initiative unterstützt hatte.

Bildbeschreibung Bild: Rathaus von Ceuta, Sitz von Stadtverwaltung, Regionalregierung und Parlament (Foto: Vardulia, CC BY-SA 4.0)

Montag, 12. Oktober 2026

Jeden Werktag zum Feierabend. Heute mit Berliner Politiktheater und einem Griff in unser aller Taschen.

Bezahlbares Leben, Gerechtigkeit und Sicherheit: Auf diese drei Schlagworte hat Friedrich Merz die Klausurergebnisse des CDU-Präsidiums verdichtet, eine kleinere Stromsteuer für alle versprochen („europäisches Mindestmaß“) und erneut jede Zusammenarbeit mit der AfD abgelehnt, ohne dabei den Namen der Partei auszusprechen.

SPD-Chef Klingbeil hat den Tausch im Arbeits- und Sozialministerium (Alexander Schweitzer für Bärbel Bas) genutzt, um eine Neuwahl der Parteispitze anzukündigen und davor zu warnen, Frauen in Führungspositionen und Politiker in Zeiten der persönlichen Trauer zu attackieren.

Der Aktienkurs der DHL Group ist um knapp anderthalb Prozent gestiegen, nachdem die Bundesnetzagentur der Deutschen Post erlaubt hat, die Preise für Briefe (plus 20 Prozent) und Pakete (plus zehn Prozent) zum Jahreswechsel kräftig anzuheben.

Bildbeschreibung Bild: Bärbel Bas im März in Hof (Foto: PantheraLeo1359531, CC BY-SA 4.0)

Freitag, 9. Oktober 2026

Letzter Aufschlag vor dem Wochenende. Mit etwas Aufregung um den Friedensnobelpreis, Wild West in Germany und einem Komikerorden.

Der Friedensnobelpreis geht an die Südafrikanerin Navanthem Pillay, die für ihren Einsatz in Ruanda und gegen die Apartheid geehrt wird, aber auch die Regierung Israels kritisiert und sofort entsprechende Reaktionen der Springer-Presse kassiert hat (Bild: „umstrittene Juristin“, „Israel-Gegnerin“, Welt: Das Nobelkomitee mische sich „überraschend stark“ in den Nahostkonflikt ein).

Nach den Schüssen in Berngau in der Oberpfalz (zwei tote Behördenmitarbeiter nach einer Waffenkontrolle) und Tuttlingen (ein toter Afghane nach einem Polizeieinsatz) gibt es am Freitagnachmittag mehr Fragen als Antworten.

Hape Kerkeling hat den „Mensch-in-Europa-Award“ bekommen (verliehen vom Verlag der Passauer Neuen Presse) und damit nach seinem Anti-AfD-Auftritt im Thüringer Landtag einen weiteren Schritt in Richtung Bundespräsidentschaftskandidatur geschafft (so die Deutung von Roland Dantz in der OAZ).

Bildbeschreibung Bild: Navi Pillay 2018 (Foto: Wayamo Foundation, CC BY-SA 2.0)

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Wieder zum Kaffee – ohne Literaturnobelpreis (Anne Carson) und Steuerdebatte im Bundestag. Dafür mit einem Propagandaorchester vom Feinsten.

Berliner Weg zur Macht: Linke, SPD und Grüne haben sich auf zwei Papiere zum Antisemitismus (unter anderem: mehr Geld für „Beratungs-, Aufklärungs- und Meldestrukturen“) sowie zum Umgang mit der organisierten Kriminalität geeinigt („klare Distanz“) und so das Tor zu Sondierungsgesprächen geöffnet.

Aus für Bremen: Ryanair verlässt nach Frankfurt am Main, Düsseldorf, Stuttgart, Dortmund, Dresden und Leipzig/Halle ab April einen weiteren deutschen Flughafen – auch wegen der Standortkosten (Steuern, Gebühren), die deutlich stärker gestiegen sind als im europäischen Ausland.

Medialer Gleichklang: Innerhalb von drei Minuten haben Tagesschau, Süddeutsche Zeitung und Die Zeit kurz nach 9 Uhr Vorschautexte auf den Andromeda-Prozess eröffnet, der nächsten Mittwoch in Hamburg beginnt, einen ukrainischen Offizier beschuldigt, Nord Stream gesprengt zu haben, und von einem Rechercheteam aus etlichen ARD-Redaktionen und den beiden genannten Medienkonzernen gemeinsam bearbeitet wird.

Bildbeschreibung Titelbild: Elif Eralp, Hakan Demir und Raed Saleh (beide SPD) am 2. Februar in der Berliner Khadija-Moschee (Foto: Michael Unger, CC BY-SA 4.0)

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Am DDR-Geburtstag schon zum Kaffee – mit zwei Aufgüssen von gestern. Wie das so ist nach historischen Tagen. Das weiß auch Super-Mario.

Nachklapp I: Während das politische Berlin streitet, woher in Magdeburg die Stimmen für Landtagspräsident Rausch gekommen sein könnten (Die CDU war‘s! Nein, die anderen, um die Union zu stressen!), gehen SPD-Abgeordnete mit dem Grundgesetz in der Hand durch das Brandenburger Tor und hören Verteidigungsminister Pistorius zu, der „nach einer engagierten Rede“ (Tagesschau) die Nationalhymne anstimmt.

Nachklapp II: „Noch so ein Ding, und wir können einpacken“, sagt Konstantin von Notz, für die Grünen im Bundestags-Geheimdienstausschuss, der Süddeutschen Zeitung, und fordert „sehr viel schärfere Regeln“ für „Berufsgeheimnisträger“ wie Ex-BND-Chef Hanning, der inzwischen in U-Haft sitzt.

Ohne Nachklapp: Thüringens Ministerpräsident Voigt hat die Klage gegen den Entzug seines Doktortitels zurückgezogen.

Bildbeschreibung Bild: Boris Pistorius am Dienstagabend unter Getreuen (Foto: Kay Nietfeld, dpa)

Dienstag, 6. Oktober 2026

Mit zwei Nachrichten, die in die Geschichte eingehen, und einer dritten, die das auch schaffen könnte.

„Geheimdienstaffäre von historischer Dimension“ (Tagesschau): EX-BND-Chef August Hanning, im Amt von 1998 bis 2005 und inzwischen 80, ist wegen eines Spionageverdachts festgenommen worden – ein Mann, der 2002 nicht an Massenvernichtungswaffen im Irak glaubte, 2015 Merkels Flüchtlingspolitik scharf kritisierte und der Kanzlerin später Vertuschung vorwarf, weil sie 2020 die BND-Infos zu einem Laborunfall in China unter Verschluss gehalten hatte.

„Schwarzer Tag für unsere Demokratie“ (Linkspartei): Tobias Rausch, 35, hat bei der Wahl zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt 48 Stimmen bekommen – vier mehr, als AfD und BSW zusammen haben.

Gleich noch ein schwarzer Tag, hier vermischt mit gelb: Sport Bild berichtet, dass Borussia Dortmund den Fanprotesten nachgibt und die Partnerschaft mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall 2027 nach drei Jahren beendet.

Bildbeschreibung Bild: Ulrich Siegmund (rechts) gratuliert Tobias Rausch (Foto: picture alliance/dpa | Jan Woitas)

Montag, 5. Oktober 2026

Mit einem Nobelpreis für den Transhumanismus, Schattenkriegern und einem spanischen Pokerspieler.

Bundeskanzler Merz feiert auf X den Medizinnobelpreis für Peter Hegemann und Georg Nagel („Deutsche Forschung ist spitze!“) – zwei Biophysiker, die geholfen haben, Nervenzellen über Licht zu steuern, so Gefühle, Entscheidungen und Erinnerungen zu manipulieren und den Menschen damit als eine Maschine zu sehen.

BND-Chef Jäger zieht bei einer Bundestags-Anhörung zur Geheimdienstreform die Russland-Karte, spricht von einem „Schattenkrieg“ gegen Deutschland und sagt, Wladimir Putin könne in der Ukraine nicht einfach aufhören, ohne seine Machtbasis zu gefährden.

Die Tagesschau begründet die Entscheidung von Pedro Sánchez, die Wahlen in Spanien auf den 29. November vorzuziehen, damit, dass mit dem Mieterschutz nach langer Zeit „wieder ein soziales Thema die Schlagzeilen“ beherrscht.

Bildbeschreibung Bild: Pedro Sánchez 2018 in Salzburg (Foto: Arne Müseler, CC BY-SA 3.0)

Freitag, 2. Oktober 2026

Mit Bahn- und Wahl-Chaos, einem kriegstüchtigen Kanzler und ohne Vorschau auf das Bürgerfest zum Einheitstag in Bremen.

Kein Zug wird kommen: Die Deutsche Bahn saniert seit heute die Strecke Hannover–Berlin, leitet den Fernverkehr über Braunschweig und Magdeburg um (plus eineinhalb Stunden) und verspricht für Pendler „Mobilität dank Ersatzbussen“ sowie die Wiederinbetriebnahme für Dezember 2027.

Politik im Kriegswahn: Kanzler Merz nutzte die Friedenspreisverleihung an die Nato („Allianz für Freiheit“) für eine Grundsatzrede („Moskau Einhalt gebieten“) und beschwört in drei Tweets das Feindbild Russland, wie Marcus Klöckner auf den Nachdenkseiten analysiert.

Wahlpanne in Berlin: Eine Nachzählung für den Spandauer Wahlkreis 1 macht den AfD-Kandidaten Tommy Tabor zum Sieger (34 Stimmen mehr als Bettina Meißner, CDU) – mit Folgen für die Sitzanzahl im Berliner Landesparlament (153 statt 158; CDU, SPD und Grüne verlieren jeweils einen Sitz, die Linken zwei).

Bildbeschreibung Bild: Der Berliner Hauptbahnhof im Juni 2026, einem Monat nach seinem 20. Geburtstag (Foto: Roy Zuo, CC BY-SA 4.0)

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Mit den Gegensätzen, die das Land zerreißen. Vielleicht hilft ja, dass der BGH eine Preiserhöhung bei Amazon Prime kassiert.

Neues von der Front: Die Nato bekommt in Münster den Preis des Westfälischen Friedens, Deutschland einen zweiten Marinehafen an der Nordsee (Bundeswehrverband: „Emden setzt sich durch“) und der Bund von der Damen-Werft eine Schadensersatzforderung von 4,7 Milliarden Euro, weil er ein Fregattenprojekt abgebrochen hat.

Alles auf null: VW-Betriebsratschefin Cavallo rechnet mit einer „heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel“, nachdem der Konzern den Haustarif für die 130.000 Beschäftigten in Deutschland gekündigt und damit Arbeitszeit, Urlaub, freie Tage, Sonderzahlungen, Eingruppierungen und Azubi-Übernahmen zur Neuverhandlung freigegeben hat.

Alles auf null – historisch: Nur 17 Prozent der DDR-Arbeitnehmer waren 1992 noch im gleichen Beruf wie 1989.

Bildbeschreibung Bild: Mark Rutte und Friedrich Merz bei der Preisverleihung in Münster (Foto: Fabian Strauch, dpa)

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Bildquellen: Rathaus in Limoges am 17. Oktober (Titelfoto: picture alliance / Hans Lucas | Elise Cabane)