5161085152fbdffe54eb091e2b1ea4d3
Buch-Tresen | 11.05.2026
Sendboten des Teufels?
Karl Pongracz schreibt über den „Todeskult“. Untertitel: „Pandemie, Krieg, Klimakatastrophe und Geschlechterwahn. Transhumanismus obendrein“.
Text: Beate Broßmann
 
 

Der Autor versucht, die derzeitigen Multikrisen auf einen geistigen Nenner zu bringen. Sie einem „Todeskult“ zuzuordnen, ist eine mögliche Interpretation. Karl Pongracz behauptet dankenswerterweise nicht, sie sei die einzig richtige. Es stellen sich daher folgende Fragen: Welchen Erkenntnisgewinn bringt uns diese Richtung der Abstraktionstätigkeit? Und ist sie sachlich überhaupt gerechtfertigt?

Nach 60 Seiten Vorwort und Begriffsdefinitionen stellt der Autor sein Verständnis von Leben und Tod(eskult) dar. Er argumentiert rein logisch und auf der Basis von Physik einerseits, der Psychologie Erich Fromms („Anatomie der menschlichen Destruktivität“ von 1977) und der Technikkritik Lewis Mumfords („Mythos der Maschine“ aus dem gleichen Jahr) andererseits.

Leben bezeichnet Systeme, die durch Wechselwirkungsprozesse von Energie und Materie unwahrscheinlichere Zustände einnehmen als ohne diese Prozesse.

Unter Bezug auf den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, den Entropiesatz, definiert der Autor Leben als komplexen „negentropischen Prozess“ [Energieentwertung], bei dessen „Energieumwandlungen etwas Wärme unwiederbringlich verloren geht“. Dieses Verständnis stellt für Pongracz den Beweis für die Unmöglichkeit von biologischer Unsterblichkeit dar. Der Tod sei infolge dessen ein Teil des Lebens, von Beginn an in diesem enthalten, unausweichlich und zwingend. Der Transhumanismus, dem es darum geht, das individuelle Leben zu verlängern oder gar auf ewig zu stellen, der also lebensbejahend sein will, ist für den Autor dem Wesen nach die Spitze des Todeskultes. Denn er weise die Merkmale auf, die allen Spielarten des Todeskultes immanent sind:

  • Einschränkung: Knebelung, Verachtung und Zerstörung alles Lebendigen und des freien Lebens,
  • eine Art von Gemeinschaft Gleichgesinnter als pseudoreligiöse Struktur, die Kultgruppe, und
  • organisierte, gleichgeschaltete Agitation, die sich selten als offen lebensfeindlich darstellt, die Kulthandlung.

Erich Fromm unterschied – und der Autor folgt dieser Interpretation – biophile und nekrophile Orientierung als die zwei grundsätzlichen und entgegengesetzten Weisen menschlichen Seins und bewertete sie auf manichäische Art moralisch:

Gut ist die Ehrfurcht vor dem Leben und alles, was dem Leben, dem Wachstum und der Entfaltung förderlich ist. Böse ist alles, was das Leben erstickt, einengt, und alles, was es zerstückelt.

Nekrophilie sei als psychopathologisches Phänomen anzusehen, das destruktiv ist und infolge eines gehemmten Wachstums, ungelebten Lebens und seelischer Verkrüppelung auftritt. Im Kult des Todes werde nicht Gott, sondern der Teufel angebetet.

Menschliche Weiterentwicklung geschieht nicht durch Ausrottung des Bösen, sondern durch dessen Beherrschung und Überwindung. Durch Transzendenz (nicht durch Transhumanismus) schreitet der Mensch fort zu einer höheren Form von Menschlichkeit. Licht und Dunkelheit existieren weiter in seiner Seele, doch er kann die Erleuchtung suchen. Wir sind aufgerufen, das Licht zu wählen.

Der Todeskult sei mitunter nicht leicht als solcher erkennbar, sondern eine schwer faßbare Strömung oder Einstellung. Er maskiere sich oft als Wohltätigkeit, einzige Rettung, wahre Gerechtigkeit oder ausschließliche Wahrheit, sogar als Alternativlosigkeit. Aber immer schnüre er die Lebendigkeit, die Freiheit, die Menschlichkeit und die Wahrheit ein.

Er will Kontrolle, er verlangt nach Macht über das Denken und Tun der Menschen. Er tötet vielleicht nicht das Leben, aber die Lebendigkeit; vielleicht nicht die Körper, aber die Seelen.

Bildbeschreibung Bild: Extinction Rebellion am 27. März 2021 in Berlin-Friedrichshain (Foto: Stefan Müller, CC BY 2.0)

Nun erst, im Teil 2 seines Buches, kommt der Autor zu seiner These und beginnt mit der Pandemie. Diese wird von ihm aus folgenden Gründen als Erscheinungsform eines Todeskultes angesehen:

  • Die gentherapeutische „Impfung“, Lockdown, Masken, Forderungen nach Impfpflicht, psychische und physische Beschädigungen von Kindern und Jugendlichen und die Korruption der Wissenschaften machten die Covid-Politik zu einem der größten Verbrechen gegen die Menschheit.
  • Die bis dahin unerreichte Einschränkung der Grund- und Freiheitsrechte diente als ein Mittel, um Repressions- und Kontrollmaßnahmen gegen die eigene Bevölkerung durchzudrücken.
  • Angst- und Panikerzeugung und ihre permanente Steigerung durch Politiker und Medien zeugen vom manipulativen Charakter der politischen Corona-Kommunikation.

Zudem:

Die Nichtung von Personen, die es wagen, dem Narrativsystem zu trotzen, ist eine furchtbare Strategie des Todeskults. Diese Menschen werden zwar nicht unmittelbar getötet, dem todeswürdigen „Verbrechen“ entspricht jedoch eine Strafe, die sozial und finanziell oft dem Tode nahekommt.

Und last but not least war die globale Coronagrippe keine Pandemie, sondern wissentlicher Etikettenschwindel und gesteuerte Massenhysterie, also Betrug an der Bevölkerung. Es ging nicht um Gesundheit, sondern „um Geld, Macht, Einfluss, Einschnürung von Freiheit, Beschränkung der Grundrechte, Manipulation im großen Stil, vielleicht auch um einen riesigen, weltweiten Versuch, wie viel sich Menschen gefallen lassen“.

Im Kapitel über den Ukraine-Krieg postuliert Pongracz:

Krieg bedeutet die endgültige und vollständige Verwirklichung des Todeskults, indem er alle Bereiche des menschlichen Lebens erfasst und – leider allzu oft – vernichtet.

Ungezügelte destruktive Energie würde, wenn sie könnte, alles menschliche Leben auslöschen (und es im Transhumanismus technischen Einheiten verleihen), überhaupt alles Leben auslöschen, den Planeten Erde atomisieren und sogar das Universum zerschlagen. Im Ukraine-Rußland-Krieg sind es Ponkracz‘ Auffassung nach nicht die Russen, die den Teufel anbeten, sondern der Westen:

Wer die unausweichlichen Friedensverhandlungen hinauszögert oder ihre Notwendigkeit leugnet, womit er weitere Tausende … Tote oder gar einen heißen Weltkrieg riskiert, der ist ein Kriegsverbrecher.

Auch hier ein Etikettenschwindel: Bereits 1979 bezeichnete der US-Politikberater Zbigniew Brzezinski in seinem Buch „The grand chessboard“ die Ukraine als Dreh- und Angelpunkt für die hegemoniale amerikanische Kontrolle über Eurasien und als Brückenkopf zur Destabilisierung Rußlands. Die westliche Kriegs- und Aufrüstungspropaganda sei Ausdruck des Todeskults. In der Ukrainepolitik ging es nie um die Selbstbestimmung eines Volkes.

Bildbeschreibung Bild: Menahem Begin (weiße Figuren) und Zbigniew Brzezinski (schwarz) 1978 beim Schach in Camp David (Foto: National Archives and Records Administration)

Bezüglich des Klimakatastrophennarrativs sieht Pongracz zwei Aspekte: zum einen die Konzentration auf CO2.

Wenn man aus dem Gas des Lebens das Gas des Todes macht, dann zeigt sich am deutlichsten die Wirkung des Todeskults.

Zum anderen sei es eine wesentliche Strategie des Todeskults, Gegenstimmen zum Schweigen zu bringen und Kritiker für inkompetent oder verrückt zu erklären. Waffenfähige Bezeichnungen wie Verschwörungstheoretiker oder Klimaleugner gehören zu diesem Arsenal. Angsterzeugung und Drohungen mit Tod, Verderben und Krankheit ebenso.

Zum Thema Genderismus und Erfindung zahlreicher Geschlechter:

Der Tod tritt uns hier im Versuch entgegen, die Spannung zwischen den Polaritäten männlich-weiblich zu leugnen, aufzulösen oder bis zur Unkenntlichkeit zu verwischen.

Hier hätten wir es mit einem Anschlag auf die sexuelle Fortpflanzung und somit auf die Weitergabe des Lebens zu tun – also auf das Leben selbst. Vernichtet werden solle die Familie, die Keimzelle der Gesellschaft und der Hort für ein gesundes Heranwachsen der Kinder.

Den genannten Erscheinungsformen des Todeskultes setzt Pongracz im letzten Kapitel einen „Lebenskult“ entgegen, dessen Kern die hohen Ideale der Menschlichkeit, der Grundrechte, der Freiheit, der Friedfertig- und Gewaltlosigkeit bilden.

Das alles ist interessant zu lesen. Allerdings kommt die Frage auf, welche Topoi diese Betrachtungsweise der geistig-politischen Großprobleme erklärt, die man als Zeitgenosse bislang mit anderen Kategorien zu begreifen suchte oder gar nicht verstand. Corona, Krieg, Klimapanik, Geschlechterrevision können ebenso gut sozialökonomisch als manipulative Methoden der Weltelite verstanden werden, sich den Globus zu unterwerfen und zu diesem Zweck auf eine Weltregierung hinzuarbeiten. Geschichtsphilosophisch gesehen könnten sie als Ausdruck von Endzeitdekadenz und eine moderne Form ewiger kapitalistischer „Klassenkämpfe“ interpretiert werden.

„Es herrscht Klassenkrieg“, sagte vor ein paar Jahren der Milliardär Warren Buffett in der New York Times – und er fuhr fort: „aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“. Diese Klasse macht lebensfeindliche und unmoralische Politik – weil und solange sie es kann. Sie als Sendboten des Teufels und der Finsternis zu sehen, mag manch Suchenden innerlich stärken und bei seiner Orientierung unterstützen. „Das Licht zu wählen“ – wie soll das praktisch vonstattengehen? Welche Orientierung bietet dieses Streben dem Widerständigen? Aus den Gesellschaften im Verfallsstadium auszusteigen und eigene, unabhängige Kommunen zu gründen? Praktisch wird es bei Pongracz leider nie. Daß die Epstein-Kumpels womöglich okkulte Messen abgehalten und Menschenopfer dargebracht haben – alles möglich. Doch für moralisch hochstehend hielt sie ohnehin kein Mensch mit klarem Verstand.

Bildbeschreibung Bild: Warren Buffett (Mitte) per Liveschaltung 2012. Links: Stephan Goetz, rechts: Ariane de Rothschild (Foto: Harald Bischoff, CC BY-SA 3.0)

Und selbst wenn man die Abstraktionsrichtung des Autors für inspirierend hält, fällt einem auf, daß er mindestens zwei Aspekte der gegenwärtigen Großkrise und -wandelung nicht thematisiert hat: die Durchdigitalisierung der Welt unter Einschluß von KI und die Massenmigration von Süden nach Norden. Erstere stellt alles infrage, was Menschsein bislang war. Und bezüglich letzterem vermuten sogar ausländische Theoretiker, daß Deutschland vom Todestrieb erfaßt worden ist. Die deutsche selbsternannte Elite wolle offenbar ihr eigenes Volk auflösen oder zerstören. Manche Zuordnungen und Interpretationen vonseiten Karl Pongracz‘ sind fragwürdig. Wissenschaftlichkeit kann man diesem Buch sicherlich nicht bescheinigen. Aber bezüglich der Migrationspolitik träfe die Subsummierung unter einen „Todeskult“ sicher am ehesten das Wesen der Sache.

Karl Pongracz: Todeskult. Pandemie, Krieg, Klimakatastrophe und Geschlechterwahn. Transhumanismus obendrein. München: Anderwelt 2025, 211 Seiten, 23,90 Euro.

Bildbeschreibung

Beate Broßmann, Jahrgang 1961, Leipzigerin, passionierte Sozialphilosophin, wollte einmal den real existierenden Sozialismus ändern und analysiert heute das, was ist. Wenn Zeit ist, steht sie am Buch-Tresen.

Buch-Tresen

Unterstützen

Newsletter: Anmeldung über Pareto

Bildquellen: Barack Obama und Warren Buffett am 14. Juli 2010 im Oval Office (Titelfoto: Pete Souza)