Sehr geehrte Frau Rieder,
ich wende mich mit einer Bitte um Aufklärung an Sie. Unter der Überschrift „Streit um BSW-Veranstaltung“ hat Philip Hell gestern in Ihrer Zeitung einen Rufmord-Artikel über mich veröffentlicht. Hell stützt sich dabei auf eine Presseerklärung der „Initiative gegen Rechts Regensburg“ sowie auf Stellungnahmen von Irmgard Freihoffer, Landesvorsitzende der Partei BSW, und Karl Wilhelm, Geschäftsführer des Kolpinghauses in Regensburg. Gegenstand des Textes sind eine Veranstaltung zum Thema „Journalismus und Macht“, für die mich der BSW-Bezirksverband Oberpfalz in das Kolpinghaus eingeladen hatte, sowie die Aufforderung der genannten Initiative an Veranstalter und Raumvermieter, den Vortrag abzusagen.

Was ich von Ihnen, sehr geehrte Frau Rieder, gern wissen möchte: Gehört es in der Redaktion der Mittelbayerischen Zeitung zum guten Ton, anonyme Pressemitteilungen zu veröffentlichen, die erkennbar darauf angelegt sind, die Reputation von Menschen zu zerstören, den öffentlichen Debattenraum zu verkleinern und so die Demokratie zu gefährden? Gibt es kein Qualitätssicherungsverfahren, das entweder verhindert, so etwas sofort ins Blatt zu heben, oder wenigstens prüft, was dort veröffentlicht wird?
Sie werden diese Fragen sofort verstehen, wenn Sie einen Blick auf besagte Pressemitteilung werfen (Anhang) – verschickt an einem Sonntagabend um 23.43 Uhr ohne Namen oder Unterschrift sowie mit einem Betreff und einem Titel, die sofort an Freud denken lassen (oder an subversive Kräfte in der IgR) und bei jedem Redakteur die Alarmglocken schrillen lassen müssten. Das gilt erst recht für den Text, in dem es kein einziges inhaltliches Argument gibt. Siebenmal „extrem rechts“ (ein Kunststück bei drei Absätzen), dazu Kampfbegriffe wie „antisemitisch“, „verschwörungsideologisch“ (wahlweise: „verschwörungstheoretisch“) und „wissenschaftlich unseriös“ (Wer genau behauptet das bei einem Buch, das auf der Bestsellerliste stand und von Rezensenten gefeiert wurde?), Namen, die genauso funktionieren (Sellner, Stein, Maaßen), die Behauptung einer „Radikalisierung“ meinerseits und das Wort Experte in Anführungszeichen – mindestens dreist bei jemandem, der gut ein Vierteljahrhundert lang LMU-Professor war wie ich und eine Publikationsliste vorweisen kann, die über jeden Zweifel erhaben ist.
Ich verzichte darauf, im Detail auf die Auftritte einzugehen, die in der IgR-Pressemitteilung genannt werden, da meine Arbeit dort auf einen winzigen Ausschnitt reduziert wird, und möchte auch nur am Rande auf das Urteil des Bundesgerichtshofs zu einem Antifa-Bericht über einen Bauunternehmer vom Mai 2026 hinweisen, in dem es um „bewusst unvollständige Berichterstattung“ geht und um das Verschweigen von Gesichtspunkten mit dem Ziel, ein bestimmtes Bild zu erzeugen (LTO, 12. Mai 2026). Was mich stattdessen interessiert: Warum hat Philip Hell nicht einfach den Vortrag gelesen, den ich auf dem Demokratiekongress der AfD in Berlin gehalten habe? Drei Minuten Arbeit – und die IgR-Behauptung, ich habe mich dort „feiern“ lassen, wäre wie eine Seifenblase zerplatzt. Schlagen Sie fünf Minuten drauf, sehr geehrte Frau Rieder, und ich hätte dem Kollegen am Telefon berichten können, was zum Beispiel der Chefredakteur der Jungen Freiheit zu diesem Vortrag gesagt hat.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Chefredaktion der Mittelbayerischen Zeitung die Journalisten im Haus ermutigt, alle journalistischen Standards über Bord zu werfen, und würde mich freuen, wenn wir darüber ins Gespräch kommen könnten. Die MZ wird auch in meinem Heimatort gelesen, und Sie können sich hoffentlich vorstellen, was mich so ein Pranger-Text, illustriert mit einem martialischen Bild, hier kostet.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr Michael Meyen
Von: presse@initiativegegenrechts.net Gesendet: Sonntag, 25. Oktober 2026 23:43 An: Initiative gegen Rechts Betreff: Pressemitteilung: Initiative gegen Regensburg kritisiert Veranstaltung mit Michael Meyen im Kolpinghaus
Regensburg, 26.10.2026
Die Initiative gegen Rechts (IgR) Regensburg kritisiert den bevorstehenden Auftritt von Michael Meyen am 27. Oktober 2026 im Kolpinghaus, organisiert vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Meyen hat sich in der Vergangenheit durch seine Verbindungen zu antisemitischen, verschwörungsideologischen und extrem rechten Kreisen hervorgetan. Seine Radikalisierung seit der Corona-Pandemie und seine Teilnahme an Veranstaltungen der extremen Rechten sind für das Bündnis Gründe, die Absage der Veranstaltung zu fordern.
Meyen ist nicht nur als Professor für Kommunikationswissenschaften an der LMU, sondern auch als prominenter Vordenker der „Querdenker"-Bewegung bekannt geworden. Er war Mitherausgeber der umstrittenen Zeitschrift „Demokratischer Widerstand" und hat sich durch seine Publikationen, insbesondere durch das Buch „Die Propaganda-Matrix", einen Namen gemacht, das von Fachleuten als verschwörungstheoretisch und wissenschaftlich unseriös eingestuft wird. Mit dem Vortrag "Staatsfunk: ARD & Co. sind am Ende - oder müssen neu erfunden werden" trat Michael Meyen im letzten Jahr auf der extrem rechten Büchermesse "Seitenwechsel" in Halle auf – dort fand sich das who-is-who der extremen Rechten ein. Neben Szenegrößen der extremen Rechten wie dem Kopf der österreichischen Identitären Bewegung, Martin Sellner, trat Meyen im Mai 2026 ebenfalls beim fünften Geburtstag des extrem rechten Medienprojekts AUF1 auf, von dem er sich regelmäßig als „Experte" interviewen lässt. Wenig später ließ sich Meyen als Referent beim „1. Demokratiekongress der AfD-Fraktion" im Deutschen Bundestag feiern – nebenpersonen wie dem Gründer der Werteunion Hans-Georg Maaßen oder dem Chefredakteur der extrem rechten Wochenzeitung Junge Freiheit Dieter Stein.
Zudem sieht die IgR in der wiederholten Präsenz von rechten Rednern im Kolpinghaus, wo 2025 auch Hans-Georg Maaßen sprach, eine bedenkliche Entwicklung. "Die Akzeptanz solcher Redner*innen trägt zur Normalisierung verschwörungsideologischer und extrem rechter Ideologien bei. Wir fordern das Kolpinghaus auf, die Veranstaltung des BSW mit Michael Meyen abzusagen und seine Räume nicht für demokratiegefährdende Inhalte bereitzustellen", sagt eine Sprecherin der Initiative gegen Rechts.
Für Rückfragen und weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
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