Viel Werbung musste ich nicht machen. Wenn Gerd Reuther im Programm steht, dann kommen die Leute. Medizingeschichte, das Impfen, die gefälschte Vergangenheit: Eigentlich haben wir das alles schon abgehandelt. Erst für Apolut und dann gleich zweimal für unseren eigenen Kanal. Die erfundene Geschichte, vor einem Jahr brandneu und bis heute voller Anziehungskraft, sowie 300 Jahre Impfen.
Die Vorlage für unser viertes Gespräch lag im Frühjahr im Briefkasten: „Wer zweifelt, hat schon gewonnen“ – eine Sammlung von Aufsätzen, die Gerd Reuther mit seiner Frau Renate publiziert hat und die hier besprochen worden ist. Wer die Rezension gelesen hat, der weiß, dass es diesmal buchstäblich um alles ging und damit um die Frage, wie man sich dem Dauerbeschuss der Propaganda entziehen kann sowie alldem, was daraus in Schulen, an Universitäten und in den Museen gemacht wird.

Gerd Reuthers Antwort beginnt bei einer Kindheit im Zonenrandgebiet, die lange verschont geblieben ist von den audiovisuellen Dauerablenkern. Wir haben darüber gesprochen, wie schwer es Eltern heute haben und wie gut es eine Generation hatte, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufwachsen konnte und von der Konkurrenz der Gesellschaftsentwürfe genauso profitierte wie von einem Tiefpunkt, an dem es selbst aus Sicht der Weltenlenker kaum eine Alternative gab zu Aufschwung und Wohlstand. 75 halbwegs liberale Jahre, mit immer größeren Abstrichen seit 9/11 und endgültig vorbei im Frühjahr 2020.
Ich will nicht zu viel vorwegnehmen, sondern nur noch zwei Schmankerl aus der Fragerunde ergänzen, in der Gerd Reuther berichtet hat, wie es sich ohne Smartphone lebt. Am Tag des Gesprächs hatte er mit seiner Frau auf einem Kirchengelände vergeblich nach einer Statue gesucht und zurück im Hotel die KI befragt. Antwort eins: Ihr habt nicht gut genug geschaut. Antwort zwei nach Protest: Stimmt, ja, dieses Kleinod ist vor einer Weile eingeschlossen worden und folglich nicht mehr zu besichtigen. Wer weiß nun mehr, fragte Gerd Reuther in das Publikum. Ich? Oder die KI über mich? Die zweite Anekdote stand vor ein paar Tagen schon im Newsletter. Frage aus dem Raum: „Unser Tochter, ungeimpft, heiratet einen jungen Mann auf Linie. Wie können wir ihn liebevoll zum Nachdenken bringen?“ Antwort Gerd Reuther sinngemäß: gar nicht. Besser nochmal mit der Tochter reden.
Das Ziel ist der angepasste Bürger

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