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Video | 05.11.2026
Klartext Ost
Roland Dantz, fast ein Vierteljahrhundert Oberbürgermeister von Kamenz, sagt nach 90 Minuten Gespräch: Ich möchte nicht beschissen werden.
Text: Michael Meyen
 
 

Ich erinnere mich noch gut an jene Tage im April 2024. Ein schöner Plan: Erst nach Bautzen zu einem Interview mit Jörg Drews, Geschäftsführer von Hentschke Bau, dokumentiert im Buch „Medienskepsis in Ostdeutschland“, und am Morgen danach weiter nach Kamenz, zu einem Vortrag im Stadttheater. Bei einem Zwischenstopp im Hotel fand ich meine erste Disziplinarstrafe im Postfach. 15 Monate lang zehn Prozent weniger Gehalt wegen „verfassungsschutzrelevanter Delegitimierung des Staates“. Wer so etwas schon erlebt hat, der weiß: In einem solchen Moment zieht es einem buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Mein schöner Plan jedenfalls war futsch.

Ich bin natürlich trotzdem nach Kamenz gefahren, habe aber weder die Privatführung im Lessing-Museum richtig genießen können, noch die Stunde im Bürgermeisterbüro von Roland Dantz. Wo gibt es das sonst: Man wird nicht nur eingeladen, um im Wohnzimmer der Stadt über „Journalismus und Macht“ zu sprechen und mit Carsten Gansel auf der Bühne zu sitzen, einem Literaturwissenschaftler, der über Lessing mit Kamenz verlinkt ist, sondern bekommt auch noch eine Privataudienz beim Stadtoberhaupt und kann dort zum Beispiel über Cancel Culture reden oder über einen FAZ-Artikel vom Dezember 2023, der dem OB vorwarf, den Meinungskorridor zu verengen und überhaupt nicht an einem Dialog interessiert zu sein. Corona, die Ukraine, Patrik Baab.

Ich habe Roland Dantz damals gefragt, ob er sich vorstellen könne, zu mir ins Apolut-Studio zu kommen, wo ich seit Anfang 2022 insgesamt 24 Interviews aufgezeichnet hatte. Was ich da noch nicht wusste: Dieses Studio gab es schon nicht mehr. Wir haben uns dann im Juni 2026 eher zufällig wiedergesehen (beim Demokratiekongress der AfD in Berlin), die Interviewidee erneuert und nun endlich umgesetzt. Ich will nicht zu viel verraten. In den 90 Minuten geht es um Macht, Politik und die Brandmauer, um das Erbe der DDR und natürlich um eine Gegenwart, die vom Osten immer noch Dankbarkeit erwartet, obwohl gerade hier das Neue wachsen könnte.

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