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Bildgeschichte | 16.06.2026
Junges Gemüse
Wasser und Leben: Das Bild zeigt unsere jungen Menschen vergnügt über der Donau. 35 Jahre Kindereinheit. Eine Bilanz.
Text: Hans der Kleingärtner
 
 

Junges Gemüse ist was ganz Feines. Man muss nicht Gärtner sein, das zu wissen. Die zarten Gartenfrüchte machen aber auch viel Arbeit. Das junge Gemüse. Gescheites Saatgut, Licht, guter Boden, Bewässern, Düngen, Pikieren, morgens und abends Schnecken jagen, rechtzeitig ernten, sonst kommt nix auf den Teller.

Beim Menschen wird auch auf junges Gemüse geachtet. Sehnsuchtsvoll warten Kita-Betreiber, Rentenversicherer, Pädophile und Generalstäbler auf die kommende Generation. Ich nicht. Denn was erwartet die Nachgeborenen? Die Lieferketten für Nachwuchs sind auch störanfällig. Mal meckert man über junge Leute, mal hat man übersteigerte Erwartungen. Ich fabuliere mir und Euch hier was vor, denn ernsthaft oder präzise ist dem Thema nicht beizukommen. Ich sage nur, wie ich denke:

  • a) über Herkommen,
  • b) wie Befremden und
  • c) über Verlustangst.

Bildbeschreibung Bild: Am Unterlauf des Rheins

a) Herkommen

Herkommen als Ausgang, Abgang, Ablegen.

Ausgang

Mit dem Beitritt kam bei mir Hoffnung für die junge Generation. Als Zoni. Alles offen. Zwang war weg. Autos und Tattoos für die Eltern. Pampers, Bananen und Spielkonsolen für die lieben Kleinen. UNO-Kinderrechtskonvention. Neues Recht auf Hilfe zur Erziehung: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ Ach, war das alles schön. Wie würde sich die deutsche Einheit sexuell erfüllen? Wohin ging die Nachwuchs-Post nach 1990 in der BRD ab? Bin ich‘s zufrieden? Was ist mir aufgefallen?

Bildbeschreibung Ostberlin 1990. Kinder in einem Autowrack.

Alles schien möglich, und ich konnte das Beste hoffen. Dass die Kinder frei von Indoktrination aufwachsen. Dass die Eltern aufgeräumt entscheiden, was der Familie und den Kindern guttut. Diese Kinder hier im Bild waren schon da. Was haben sie nachwuchsmäßig angestellt mit ihrer neuen Freiheit in den 36 Jahren seither? Aber, oh Schreck, oh Graus, ich komme gar nicht dazu, mir den Vorgang zu überlegen. Denn das Heute schockiert:

Abgang

„Zahl der Geburten sinkt auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit“, so macht das Statistische Bundesamt auf sich aufmerksam. Es zeigt: Das Absacken der Geburtenrate hat eine Wucht, wie sie der II. Weltkrieg hatte. Die Statistiker rechnen vor, dass die Elterngeneration nur zu drei Vierteln durch die Generation ihrer Kinder ersetzt wird. Die gute Nachricht dabei: Der Osten stirbt schneller aus.

Vielstimmige Erklärungsansätze für die Entvölkerung drängen sich auf: Bei Hitler und Honecker wäre uns das nicht passiert. Der Wohnungsbau und die Ganztagsbetreuung hinken hinterher. Die Muttis werden älter wie die Gesellschaft ja auch. Hätten wir doch nur mehr Afrikanerinnen mit ihrer besagten Gebärfreude ins Land gelassen. Die Angst vor dem Klimawandel beginnt den Frauen auf die Eierstöcke zu schlagen, vielleicht den Männern auf deren Cojones.

Eine tiefsinnige Idee der Verursachung ausbleibender Geburten kommt dem Statistischen Bundesamt aber auch selbst: Nach der furchtbaren Pandemie wollten die gebär- bzw. zeugungsfähigen Jahrgänge lieber ihren Spaß ausleben, statt gestrichen volle Baby-Pampers zum Müllschlucker zu tragen. La la la.

Geburtenrückgang und zur Schau gestellte Ahnungslosigkeit gehören zusammen. Dass Fruchtbarkeit was mit Geschlechtsverkehr zu tun hat, gehört nicht zu den offiziellen Suchrichtungen für den Geburtenrückgang. Eine Familienpolitik, die den Namen verdient – Fehlanzeige. Das Resultat der Familienpolitik, wenn man es so nennen will, mit Geburtenrate, Bildung und sexuellen Tendenzen jedenfalls, wird, schluchz, trän, schnief, von jedermann bedauert und von jedermann wird Verbesserung herbeigeredet. Was geschah?

Ablegen

Zuerst fuhr den werktätigen Ost-Frauen und Müttern mit dem Beitritt der Schreck in die Glieder. Es kam im Beitrittsgebiet sofort zu einem nie dagewesenen Geburtenrückgang. Neoliberal hatte aber auch der Fünf-Neue-Länder-Staat alle Hebel in Bewegung zu setzen, dass Substanz für die lieben Kleinen so rasch abgewickelt wird wie die Zonenwirtschaft selbst. Schwulsein war schon entkriminalisiert, gut so. Aber der § 218 StGB kam über die Frauen.

Ich dachte, die sensiblen Phasen kindlicher (Sexual-)Entwicklung sind klar und finden aufgeräumt Beachtung. Aber nein, arglose Kinderzeichnungen dienten landauf, landab dazu, sexuellen Missbrauch an den Kindern zu behaupten, um dann gnadenlos etatistisch einzugreifen. Es bildete sich ein Missbrauchskomplex heraus. Kinder hatten als erstes Nein-Sagen zu lernen. Da das nix zur Sache tat, stiegen dann Neonazis auf die abgehende Post auf und verlangten „Todesstrafe für Kinderschänder“. Der Staat kam in Zugzwang. Oder wollte es nicht anders. Mit neoliberal weggesparten Hilfsangeboten und einer Sucht, Täter im Netz aufzuspüren. Scharen von zivilgesellschaftlich finanzierten Vereinen versteiften sich darauf, den Kindern ihr Geschlecht madig zu machen. „Es ist ja nicht so schlimm, dass du ein Junge bist“ pp. Erziehungsziel: Bei der Einschulungsuntersuchung nicht zu wissen, ob man Junge oder Mädchen ist. Bei der Sexualaufklärung der Pubertierenden gelangten diese gewiss nicht heteroorientierten Vereine in die vorderste Front der Geschlechterabschaffung: Nix mit hetero, igitt. Schaut, was wir noch alles für euch haben.

Genitalverstümmelung in Afrika, da sind wir dagegen. Genitalverstümmelung in unserer Sprache – gerne. Mit der Verfügbarkeit von Videotechnik zum Beispiel griff eine Mode des Intimrasierens um sich.

Wir feiern jeden, der ans andere Ufer kommt. Ehe für alle. Und: Einmal im Jahr soll jeder sein Geschlecht amtlich bestimmen/können. Das ist unsere Freiheit. Freiheit ist immer die Freiheit ohne eigenen Nachwuchs.

Bildbeschreibung Kinder. Im Chiemgau gibt es noch welche. Als Hingucker. Zaxndi ist ein bayerisches Schimpfwort. Aber sehr schön.

Emmanuel Todd hat in Der Westen im Niedergang eine steile These vorgelegt. Er kombiniert, wie es seine Art ist, bei der Niedergangsbestätigung einen langewährenden Verfall von protestantischer Religion samt Arbeitsethik. Er kombiniert sexuellen Puritanismus, den Niedergang der Friedhofskultur, das Aufschäumen von unpraktischer Hochschulbildung, Grassieren von Scheidung und Alleinerziehung pp. mit dem Sinken der inländischen Geburtenrate. Todd terminiert symbolisch einen offenbaren Kipppunkt des Westens je Land mit Einführung der Ehe für alle.

Der Geburtenrückgang steht ja nicht allein da für die erschröckliche Verfasstheit des Landes bezüglich des jungen Gemüses. Er ist nur eine demografische Hausnummer. Entlang der pädagogisch-staatlichen Beturnung des Nachwuchses gibt es auch andere soziologische Marker.

Mich sättigt die Vorgabe von Todd gedanklich nicht ganz. Sie macht Appetit auf mehr. Auf eine konsequent kultur-historische Betrachtung. Des Gedeihens oder Verdorrens von jungem Gemüse und von seinen Wachstums-/Absterbe-Bedingungen.

b) Befremden

Das Befremden nehmen wir durch anhand der Aussetzer: 1. Biologielos, 2. Grenzenlos, 3. Uferlos digital, 4. Mittellos.

1. Keine Gnade gegenüber der menschlichen Natur. Biologie hat es nie gegeben.

Bildbeschreibung

Berlin. Fahrkartenautomat U-Bahn Alexanderplatz. Selbst im öffentlichen Nahverkehr wird man penetriert, ob man nicht doch auch divers statt unmodern männlich oder weiblich sein möchte. Dem biologischen Geschlecht wird mit öffentlichen Geldern nachgestellt. Könnte man sagen, das ist normal. Und ich sage, das ist es nicht. Bin an Sodom und Gomorra gemahnt.

Vielleicht befinden wir uns beim Thema Nachwuchs ja in einem postbiologischen Zustand. Wo Biologie mal war, muss nunmehr gekünstelt werden. In-vitro-Fertilisation und Geschlechtsumwandlung gehören zum westlichen Lebensstandard wie Schurigeln der Geburtshilfe und genmanipuliertes Vakzinieren im Gesundheitsunwesen. Verdoppelung der Kaiserschnittentbindungen seit 1991. In Geburtskliniken jetzt ein Drittel Kaiserschnittentbindungen von allen Geburten bei permanent sinkender Anzahl. Wo sind die geburtsfreudigen Becken geblieben.

Bildbeschreibung Sachsen, Kirnitzschtalbahn. Mit Kindern kann man es machen. Hier tragen sie Masken, ohne dass es staatlich aufgenötigt war. Kinder machen uns nach. Erst machen sie uns nach, und dann machen sie es mit uns.

2. Ausgesetzte aller Länder

Die nachrückenden Generationen haben wir ausgesetzt. In eine Welt, die wir uns nicht vorstellen konnten und doch erschufen. Eine entgrenzte Welt.

Was das junge Gemüse sich zu arrangieren hat mit freidrehenden Gleichaltrigen aus dem eigenen Land und Scharen von Hereingeströmten … Dass die Schulen sich da den Auftrag aufs Knie schreiben zu integrieren, so zu tun, als würden sie integrieren, das ist schlaffe Zicke gegenüber den Integrationsleistungen, die unser Nachwuchs zu erbringen hat. Was da abgeht an Anpassungsleistung, entzieht sich jeglicher Vorstellung von uns Alten. Es ist den Jüngeren alles unberechenbar anders. Um es bei der Schulpflicht nicht so dermaßen hart kommen zu lassen, geben wir unsere Kinder lieber in Privatschulen. Wer das nicht kann, bekommt täglich mit, welcher Gefahr er seine Kinder aussetzt, ganz wuschig zu werden. Am allgemeinen Migrationshintergrund. Dem verbliebenen Wert des Wertewestens. Die staatlichen Schulen sind Abbild des Staates, der die Lage nicht anders will und genau so herstellt.

Was weltweit der Kampf gegen Terror ist, ist in den Schulen der Kampf gegen Mobbing. Scheinheile Ansage für eine vergebliche Liebesmüh. Dass man sich ethnisch kaputtmobbt, ist die Lage. Mobbing, was ist das, positiv gedeutet? Mobbing ist die Selbsterziehung Ausgesetzter untereinander bei Rückzug der Älteren aus der Verantwortung.

Junge Eltern bekommen das ansatzweise mit. Und deshalb werden sie in den Kindereinrichtungen und Schulen mit ihren Vorstellungen vorstellig. Und tun so, als könnten sie etwas bestimmen. Können sie nicht. Berechtigt verängstigte Eltern treffen unvermittelt auf überforderte, kernverängstigte Lehrer. Wechselseitig unversöhnlich fordernd. Irritierte Eltern heizen irritierten Pädagogen ein, die ihrerseits von irritierten Trägern und Schulämtern Zielstellungen bekommen, die keine sind. Jedenfalls keine, die in die Bildung des Nachwuchses münden könnten. Das Bildungswesen ist kein System. Es ist eine ausufernde Landschaft des Quereinstieges aller gegen alle.

Bildbeschreibung Straßenszene Stuttgart. Etwas Afrika-Bezug. Dieses Bild bringt es hier aber nicht. Es ist nur ein Hinweis auf sowas wie im Straßenbild ersichtliche Demographie. Für Anpassungsleistung bei den Jüngeren.

3. Tendenziell virtuell

Ausgesetzt haben wir unseren Nachwuchs einer Welt des Digitalen. Wer Kindern mal zugesehen hat, wie Spitz auf Knopf um das Anmachen eines Handys gezankt wird. Das ist existenziell und final angelegt. Kinder kämpfen das durch, und wenn es das letzte ist. Und sie gewinnen. Immer. Denn ihrer ist das digitale Himmelreich.

Durch nicht endendes Rumdaddeln zeigen uns die lieben Kleinen, dass sie digital anstellig sein wollen. Eine Kindheit oder Jugend findet nicht statt. Jedenfalls nicht als Kindheit und Jugend, sondern in einer von Digitalkonzernen bereitgestellten Sintflut von Pseudorealität, die uferlos ist. Wenige Nachkömmlinge können sich digital halten und versinken nicht. Sondern sehen und wollen sehen, dass da Land wäre.

Dass das Bildungswesen sich in Digitalisierung verausgaben will, versteht sich. Finanzbehörde, Überwachungsstaat, Krankenkasse und Pflegedienst gehen den gleichen Weg. Damit bald die KI uns all das Mühen abnimmt. Das Credo jeglicher Bildung bewahrheitet sich zunehmend entlang der von mir modernisierten sechsten Feuerbachthese von Marx: „Das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble virtueller Einsen und Nullen.“ Und, was brauchen wir Nachwuchs – KI ist doch viel besser als Nachwuchs je sein kann.

Ja. Ausschließlich Digitalverblödung ist es ja auch nicht im Bildungsbetrieb. Für ideologische Formatierung analoger Art ist auch Raum gegeben:

Bildbeschreibung An einer Grundschule in Ost-Brandenburg: Schützt die Arktis. Illusorische Vorgaben statt Bildung. Wer Kindern rechtzeitig beibringt, für Windmühlen zu kämpfen, die anderen gehören, hat sie da, wo er sie hinhaben will. Als staatlich verfügbare Kampagnenmasse. Als willige Hysterieumsetzer für NGOs der Regierung.

Die Bertelsmannstiftung bemerkt, dass nicht so viel rauskommt bei Bildung und Erziehung: 6,2 Prozent der Schüler-Jahrgänge gehen ohne auch nur den untersten Schulabschluss ab. Auf konfuse Zeiten wird konfus eingestiegen. 2,7 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren (17,9 Prozent dieser Jahrgänge) bleiben ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Das darf man sich mal vorstellen. Bildungsauftrag: Vollversagen. Für DDR-Zeiten unvorstellbar. Solche strukturelle Verwahrlosung, solch ein Desinteresse am Nachwuchs.

4. Eigentumsfrage Kind

Das Dramolett mit dem Nicht-Nachwuchs ist ökonomisch basiert. Kinder sind mehrheitlich ein finanzieller Gesamtschaden. Vielleicht sagt es ja mal jemand, dass in der Generation Praktikum der Reallohn so gesenkt ist, dass eine natürliche Reproduktion der Arbeitskraft über Nachwuchs nicht mehr in der Lohntüte drin ist. Hat sich das Kapital gegenüber der demografisch elterntauglichen Generation erstmal an den schier unbezahlbaren Wohnungsmieten gütlich getan, oder sind die Mietverhältnisse für Inländische richtig instabil gemacht, dann kann man den Kinderwunsch vergessen. Das ökonomische Gehetztsein potentieller Elterngenerationen im Wirtschaftsdesasterland BRD produziert Geburtenrückgang.

Ich versuche mir das hier staunend vorzustellen. Ein Bürger aus Thüringen, der wegen des Rückgangs der Inlandsbevölkerung besorgt ist, sagte dieser Tage im viel gesehenen wie boykottfordernd angefeindeten Interview bei Ben Berndt (Stunde drei von viereinhalb): „Kinderkriegen darf nicht am Geld scheitern.“ Das wäre ja mal ein Politikziel. Ich denke als Inflationsgeschädigter: Um Himmels Willen, wie machen das die armen Eltern heute finanziell, wenn sie sich mit einem Kind behängt haben. Oder mehreren. Fressen ihnen die Kinder die Haare vom Kopf?

Die Armutsgefährdungsquote, so heißt das im Statistischen Bundesamt, liegt bei 15 Prozent der Menschen unter 18 Jahren. Das sind 2,2 Millionen Minderjährige. Ökonomischer Bodensatz der demografischen Fehlentwicklung.

Bei den wohlgeborenen Wohlhabenden stelle ich mir die Frage des Nachwuchses nicht. Bei denen erfolgt die Reproduktion kapitalgedeckt. Es passiert eher kein Gesetz den Bundestag, in dessen Wirkung der Besitz der Reichen nicht vermehrt und die Geburtenrate der Inlandsbevölkerung nicht verringert wird. Bei Beachten der Ergebnisse der Corona-Maßnahmen könnt ihr das prüfen. Schaut euch die staatlich organisierte Finanzpleite zur Auspowerung der unteren Schichten an, wenn ihr es noch nicht getan habt. Die heurige Pseudo-Sozialgesetzreform-Orgie ist von der Art. Die Staatspolitik macht unfruchtbar. Und zwar richtig. Und was tatsächlich an Nachwuchs raus- und gescheit durchkommt, soll später nach Jahrzehnten der familiären Unterfinanziertheit fix und fertig dem Staat, dem Kapital und den Kriegsorganisatoren das Existieren ermöglichen. Ich verstehe das. Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.

c) Verlustangst

Was treibt uns in das Thema mit dem jungen Gemüse? Verlustangst? Senile Verlustangst? Aber worin besteht handgreiflich die Angst der alten Säcke gegenüber den jüngeren Generationen? Unmöglich fanden alte Leute junge Menschen schon seit Adam und Eva. Aber was ist neu dabei? Neu ist, dass wir alten Herrschaften nie so viel Zeit hatten, uns den Sinn des Lebens schön zurechtzulegen. Neu ist, dass wir, die wir uns anmaßen, junge Leute zu beäugen, das ganze Leben lang Zeit darauf verwandten, soziale Beziehungen zu untersuchen und in den Mittelpunkt zu heben. Nie wurden soziale Verhältnisse dermaßen überwertig bedacht. Und nun schwant uns, dass das Pillepalle ist.

Unsere Berufe waren so eigen, die kann auch echt niemand nachmachen. Unsere Partnerschaften bröckelten oder bröckelten nicht. Voll unkalkulierbar. Dass wir Alten einem ellenlangen Ende entgegensehen, wo niemand mehr was von uns will und wo wir wahrscheinlich von niemandem robust was zu erwarten hätten. Sind unsere Beziehungen bereits futsch, hat ja die Vereinsamung schon Einzug in den Alltag gefunden. Bricht uns absehbar unsere Lebensgemeinschaft weg, dann sind wir allein. Mit ausufernden Kommunikationsmöglichkeiten zehrt sich die Kommunikation aus. Wir Alten wissen noch, was verlorengegangen ist. Und können das keinem jungen Menschen sagen.

Die jungen Leute sind ja von uns in der Diktatur der Freiheit wie Schwebeschirmchen der Pusteblume über den Globus der Vielfalt verteilt worden. Über eine befremdliche Welt. Angefüllt mit ebenfalls befremdlichen Leuten. Von da, wo sie angedockt haben, bekommen wir sie eher nicht zurück. Wieso auch. Das ist nicht schwer zu verstehen.

In Zeiten von Haus und Hof blieb jungen Menschen ein Bezugspunkt. Der Älteste bekam die Mühle, der zweite den Esel, der dritte die Katze. Wir kamen anno dazumal schön auf das Altenteil. Heute wartet auf uns die Pflegebewirtschaftung. Die jungen Leute können eigentlich nur kopfschüttelnd danebenstehen und sich fragen, wie es ihnen dahingehend nach uns ergehen wird. Ergehen soll.

Bildbeschreibung Berlin Friedrichshain. Kinderplansche

Und wir blicken auf sie. Regungslos sehen wir Alten den jungen Leuten zu, wie sie im wirtschaftlichen Niedergang der Nationalökonomie durch kriegstüchtige Preisgestaltung, Gebühren, Schulgelder, Mieten, klimagerechte Steuern und Staatsschulden ins Abseits geraten. Gebracht werden. Durch uns gebracht werden. Und die jungen Leute sehen das. Können es sehen. Und deren Kinder haben im Kinderwagen liegend als erstes gesehen, wie die Mutti maskiert ins Handy guckt.

Unsere jungen Menschen gehören uns nicht. Schenken wir ihnen die Freiheit wie uns selbst. Ich habe natürlich, apropos junges Gemüse, einen Ratschlag, dem man sich gerne anschließen kann: Laßt uns singen.

Bildbeschreibung

Hans der Kleingärtner beschäftigte sich mit Nachwuchs, bis er sich dem Garten zuwandte.

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