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Bericht | 03.03.2026
Friedrich trifft Döpfner
Showdown in Adlershof: Kann man Putin und Trump vergleichen? Springer-Chef Mathias Döpfner meint: nein. Ausdiskutiert wird das dann aber nicht.
Text: Rumen Milkow
 
 

Gestern gab es den dritten „Perspektivwechsel“ der Berliner Zeitung, nach einem Ausflug in Richtung Görlitz diesmal wieder in Berlin-Adlershof. Der Titel „Wenn West-Verleger auf Ost-Verleger trifft“ hat viele Menschen angesprochen, vor allem wegen der hochkarätigen Gesprächspartner: Mathias Döpfner und Holger Friedrich. Größer könnten die Unterschiede kaum sein. Auf der einen Seite der Ostdeutsche Friedrich, der durch IT zu Geld kam, dieses als Quereinsteiger in eine Zeitung anlegte, um eine Repräsentationslücke zu füllen und damit auch noch Erfolg hat. Auf der anderen Seite der Westdeutsche Döpfner, Miteigentümer der Axel Springer SE, ein Konzern mit starker US-Ausrichtung und transatlantischer Prägung.

Das Interesse war groß und die Schlange dementsprechend lang. Auch ich musste mich in Geduld üben, denn meine Akkreditierung, die ich nach dem ersten „Perspektivwechsel“ mit Jakob Augstein angemeldet hatte, war nicht mehr auffindbar. Am Ende wurde aber alles gut, und ich saß zusammen mit zahlreichen Kollegen der Berliner Zeitung in der ersten Reihe.

Der diesmal wohltemperierte Saal war mit knapp 200 Zuhörern gut gefüllt, ebenso das Foyer mit etwa 100 Zuschauern, die sich das Gespräch, das live im Internet übertragen wurde, auf einer Leinwand ansahen. Die Veranstaltung fand im Theater Ost statt, auf dessen ungewisse Zukunft mit der Gesprächsreihe hingewiesen werden soll. Im Saal des Theaters wurde früher die Aktuelle Kamera aufgezeichnet. Die Erkennungsmelodie DER Nachrichtensendung der DDR eröffnet die Veranstaltung.

Am Anfang war ein Leak

Gleich zu Beginn musste natürlich geklärt werden, ob die Aussage: „Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten, dazwischen tun sie es nicht“ wirklich von Döpfner stammt. Das wurde von ihm nicht nur bejaht, sondern darüber hinaus bestätigte Döpfner, dass er nicht betrunken war, als er die Aussage tätigte, und sie ihm im privaten Kontext bis heute wieder entweichen könne. Die Reaktion des überwiegend ostdeutsch sozialisierten Zuhörern schwankte zwischen stillem Entsetzen und nur geringfügig lauterem Respekt. Immerhin: Der Elefant hatte den Raum verlassen und das Gespräch konnte beginnen.

Döpfner fragt zum Einstieg nach dem großen Ganzen, und zwar nach dem Ziel von Berliner Zeitung und Ostdeutscher Allgemeiner, dem neuen Projekt von Friedrich. Es fallen Worte wie „Spalterprojekt“ und „Ost-West-Folklore“, so dass man annehmen konnte, dass die Frage nicht ganz ernst gemeint war, sondern eher eine Replik auf das erwähnte Leak. Denn Döpfner erkennt durchaus an, dass Friedrich mit seinen Projekten die Diskussionsräume erweitern will. Und nicht nur das. Er sieht auch die Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung.

Friedrich, der dies – wenig überraschend – genauso sieht, muss hier also niemanden überzeugen. Überzeugen würde er Döpfner gerne davon, dass Kritik an Spiegel, Zeit & Co. mindestens genauso angebracht sei, wie die an der Berliner Zeitung und jetzt aktuell an der Ostdeutschen Allgemeinen. Das sieht zwar auch Döpfner so, aber dieses Ungleichgewicht habe nichts mit Ost-West zu tun, sondern mit alten Eliten, die sich gestört fühlen. Das mag stimmen. Trotzdem hätte man sich an dieser Stelle die Frage gewünscht, ob die alten Eliten am Ende nicht doch etwas mit Ost-West zu tun haben.

Revolution oder Reform?

Stattdessen fragt Friedrich, wie man einen Ausgleich hinbekommen könne zwischen Ost und West und ob wir dazu vielleicht eine Revolution brauchen. Von einer Revolution will Döpfner – ebenfalls wenig überraschend – nichts wissen. Er ist überzeugt, man schaffe es mittels Reformen, die „intellektuelle Krise“ zu überwinden. Mehrfach betont er im Laufe des Abends, dass er von der „imperfekten Demokratie“ als „am wenigsten schlechte" Regierungsform überzeugt sei.

Nach diesem vergleichsweise harmlosen Dissens geht Döpfner – wenn man so will – zum Angriff über. Er wirft Friedrich vor, rechtsoffen zu sein und nennt einen kürzlich in der OAZ erschienenen Beitrag über Tino Chrupalla. Darüber hinaus kritisiert Döpfner das für seinen Geschmack zu große Verständnis für Putins Angriffskrieg und eine mögliche Ablösung von den USA. Das Ganze mündet in der Frage, ob Friedrich Sympathie fürs Autoritäre hege. Auch wenn es von da nicht mehr weit bis zum Faschisten ist, lässt Friedrich es ruhig angehen mit seiner Antwort. Gerne könne Döpfner seine Mitarbeiter fragen, ob sein Führungsstil autoritär sei. Das Chrupalla-Porträt sei seiner „pathologischen“ Neugier geschuldet. Chrupalla ist für ihn vor allem ein typisch Ostdeutscher, aber keiner, der neue KZs baut.

Bildbeschreibung Bild: Holger Friedrich (links) und Mathias Döpfner im Theater Ost

„Aber Sie können das doch nicht vergleichen!“

Und damit zum Showdown. Warum weigert sich Holger Friedrich, im russischen Volk einen Feind zu sehen? Döpfner sagt noch einmal, dass die imperfekte Demokratie die „am wenigsten schlechte“ Regierungsform sei, und ergänzt, dass man das doch nicht vergleichen könne, also Putin und Trump. Dass Putin für ihn „ein Menschheitsverbrecher der allerschlimmsten Art“ sei und Trump noch kein Land überfallen habe.

Glaubt er, was er da sagt? Muss er daran glauben? Das scheint sich auch das Publikum zu fragen, das jetzt laut wird. Einige lachen Döpfner, der durchaus Sympathisanten unter den Zuhörern hat, laut aus. Andere stellen Fragen à la: Wo er denn lebe, die aber unbeantwortet bleiben. Wo die Diskussion hätte beginnen können und auch müssen, ist sie praktisch schon wieder vorbei. Daran ändern auch die Fragen des Publikums nichts. Immerhin, eine Zuhörerin erinnert an den Runden Tisch in der DDR. Vergeblich – zumindest gestern Abend, denn Döpfner muss noch zum Geburtstag seiner Mutter. Und so endete die Veranstaltung in Adlershof pünktlich nach 90 Minuten ohne Verlängerung – aber mit der Hoffnung auf ein Rückspiel. Vielleicht am Runden Tisch.

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Bildquellen: Rumen Milkow