Im März finden hier in meiner Stadt Kommunalwahlen statt. Das bedeutet, dass nun die Parteien um die Wählerstimmen ringen. So verschandeln Wahlplakate die Stadt und belästigen das Auge des Passanten. Immerhin haben sie mittlerweile weitgehend Abstand davon genommen, die Gesichter ihrer „Spitzenkandidaten“ auf diese Plakate zu drucken, so bleibt einem immerhin das erspart. Im Zuge des Wahlkampfes wird man als Fußgänger, als der ich oft unterwegs bin, von Flyer verteilenden Wahlkampfhelfern mit und ohne Stand angesprochen. Dabei bemühen sie sich, einem das Werbematerial in die Hand zu drücken und einem ihre oft nichtssagenden und vollkommen inhaltsleeren Parolen zu vermitteln.
Bei einer solchen Gelegenheit, bei der ich wieder einmal einen Flyer dankend ablehnen musste, fühlte ich mich an die mittlerweile zum Klischee gewordene Filmreihe Matrix erinnert. In dem ersten Film dieser Reihe gibt es mit der Figur Cypher einen Verräter in der Crew des Schiffes, das Neo vor den Maschinen rettet und unter dem Kommando von Morpheus steht. Cypher erträgt die Wirklichkeit der Maschinenherrschaft nicht, verrät Neo, Morpheus und die anderen an die Agenten der Matrix – Agent Smith – und darf dafür in die Matrix zurückkehren und alle Erinnerungen an die Wirklichkeit verlieren. Dass er dabei früher oder später als Futter für die Maschinen endet, scheint ihm egal – er merkt es ja dann nicht mehr.
Ignorance is bliss.
Und genau an diese Figur fühle ich mich stets erinnert, wenn ich das Wahlkampftheater sehe. Denn trotz allem, was die letzten Jahre mit sich gebracht haben (Coronadiktatur, Zensur, Verfolgung von Opposition und kritischen Journalisten, Sanktionierung von EU-Bürgern), und trotz allem, was in letzter Zeit öffentlich geworden ist (Twitter-Files, RKI-Files, Eppstein-Files): Die Mehrheit der Menschen scheint an der Illusion festzuhalten, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben, wo in Wahrheit nichts weiter lauert als verbrecherische Barbarei, Gewalt und stumpfe Machtprojektion.
Kaum einer scheint die Tragweite dessen zur Kenntnis zu nehmen, was eigentlich jedem zugänglich im Informationsraum vor sich hin wabert. Demokratie – selbst in ihrem Ideal ohnehin kaum mehr als eine Diktatur der Mehrheit – gibt es nicht. Sie ist ein zur leeren Worthülse verkommenes Mäntelchen, mit dem die offenkundige Korruption, die Gewalt, die Barbarei und die offen ausgelebte Degeneration der Herrschenden verschleiert wird. Es ist ein Schlagwort, das ausschließlich zur Bekämpfung derjenigen dient, die den Machtinteressen der Herrschenden im Wege stehen. Diese wiederum haben nur ihre eigenen, perversen und kriminellen Gelüste im Sinn – nicht die Bedürfnisse der Menschen, die zu vertreten sie vorgeben.
Diese Simulation, die seit Jahrzehnten gespielt wird, ist längst in sich zusammengefallen. Dennoch halten die Menschen an ihr fest. Es ist ja auch viel bequemer, sich weiterhin vorzumachen, in der besten aller Welten zu leben, in der die eigene Stimme zählt und in der die Regierungen im Interesse des Volkes handeln, anstatt sich die Wirklichkeit einzugestehen.
Ignorance is bliss.
Das wusste schon Cypher. Obwohl man theoretisch kann, will man vielleicht die Wirklichkeit gar nicht in ihrer vollen Tragweite erfassen, da das Eingeständnis, in einer Scheinwelt gelebt zu haben und zum Mittäter an sich selbst und anderen geworden zu sein, vielleicht zu schmerzhaft ist.
Und diese Bequemlichkeit, diese Verweigerung der Einsicht, spielt letztlich den Machtinteressen in die Karten. Denn diese können sich ungeachtet aller Verbrechen weiterhin an ihre Positionen klammern, weiterhin ihrer Gier freien Lauf lassen und ihre Machtfantasien ausleben. Denn es wird keine relevante Bewegung entstehen, die sie daran hindert. Eher werden die Menschen in die Schützengräben der neuen Ostfront ziehen und eine vermeintliche Demokratie verteidigen, die es gar nicht gibt.
Und so wird auch diese Kommunalwahl genau so vonstatten gehen, wie die Simulation es vorsieht. Sie wird die Menschen in ihrem Glauben bestärken, dass die Matrix tatsächlich die Wirklichkeit darstellt. Und nichts wird sich jemals ändern.
Felix Feistel veröffentlicht seit 2017 Texte über das aktuelle Zeitgeschehen bei Manova, Apolut, tkp & Multipolar. Mehr auch auf seinem Telegram-Kanal. Sein Buch Corona - Next Level erscheint in der Hintergrund-Reihe "Wissen Kompakt".
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