„Ich liebe ja Deine Gespräche, Michael“, sagte ein Freund, als die Lichter aus waren. „Aber das eben, das toppt alles. So etwas habe ich noch nirgendwo gehört. Schade, schade, dass ihr das nicht gefilmt habt. Das müssen doch viel mehr Leute sehen!“ Ich muss dazu sagen, dass dieser Freund ziemlich weit drin ist im Kaninchenbau und so zum Beispiel am nächsten Abend nicht lockerließ, als Friedrich Pürner an ein, zwei Abzweigen nicht mitgehen wollte. Heute, bei Robert Stein, war er nicht nur zufrieden, sondern geflasht (sein Wort, nicht meins) – vor allem von der zweiten Halbzeit, in der es um Zufälle ging, die vielleicht doch nicht so zufällig sind, und damit um die Fragen, die in aller Regel gar nicht gestellt werden, weil uns die Antworten buchstäblich den Boden unter den Füßen wegziehen könnten. Robert Stein hat davon eine ganze Menge in petto, aber, da bin ich sicher, er hätte sich zurückgehalten, wenn auch dieser Teil mitgeschnitten worden wäre.
Für alle, die noch nicht bei einer unserer Veranstaltungen waren: Jedes Waldgespräch hat zwei Teile. In Halbzeit eins spielen nur die beiden vorn auf der Bühne – mein Gast und ich. In der Pause sammeln wir dann Fragen, aufzuschreiben auf kleinen Zetteln, stoppen die Kameras und gehen mit dem in Runde zwei, was das Publikum sagen, loswerden, diskutieren möchte. Wenn Sie das Gespräch mit Robert Stein sehen oder hören, werden Sie schnell ahnen, was auf den Zetteln stand und meinen Freund dann so begeistert hat. Ich meine nicht nur die Mondlandung oder Nullpunktenergie, Disclosure und Baalbek – Themen, die jedes für sich einen ganzen Abend füllen, sondern vor allem den Weg, auf dem Robert Stein zu alldem gekommen ist, ein Mann, der ein schlechter Schüler war, seine Begeisterung für das Fliegen und das Weltall aber trotzdem zu einem Beruf machen konnte, um schließlich feststellen zu müssen, dass das Pilotendasein doch nichts für ihn ist. Sorry für diesen Schachtelsatz, in den ich nicht mehr hineinquetschen konnte, dass es an der Bundeswehrschule auch ein Kameratraining gab und damit einen Einstieg zum Ausstieg und dass der Mond nicht einfach so in Robert Steins Leben aufgegangen ist.

Im Gespräch mit Robert Stein: Wenn so ein Urgestein der neuen Medien vor mir sitzt, dann muss ich natürlich auch nach Nuoviso fragen, nach dem Homeoffice mit Frank Höfer, nach Tacheles mit Thomas Röper, nach dem Sommerfest in Braunsbedra. Es ist viel drin in diesen gut 60 Minuten – und trotzdem kommt das Beste (zumindest für mich) erst ganz am Schluss. Er habe begriffen, sagt Robert stein da, dass er zwar unbedeutend sei, aber gleichzeitig wisse, dass er in sich „alles“ trage.
Ich kann mich jetzt zum Aldebaran denken und zurück, in einer Sekunde. Ich habe das auch gemacht. Ich vereine in mir zwei Billionen Einzelzellen, die in einem perfekten Verbund miteinander harmonieren. Allein, dass ich da bin, ist schon so unwahrscheinlich. Und das als reinen Zufall zu empfinden, halte ich für eine Beleidigung. In mir, in uns allen ist letztlich der Ausdruck einer höheren göttlichen Schöpferkraft. Und wenn man einmal verstanden hat, wie unglaublich wertvoll und groß das Leben ist und wie unbedeutend gleichzeitig die persönliche Existenz: Vielleicht ist man dann schon einen Schritt weiter.
Wenn Sie wissen wollen, wie es weiterging: Lesen Sie die Geschichte vom hundertsten Affen – eine Parabel auf das, was jeder von uns bewirken kann, weil wir alle miteinander verbunden sind. Ignorieren sie, dass die KI „Pseudowissenschaft“ und „Mythos“ sagt. Und kommen sie im nächsten Jahr wieder oder zum ersten Mal zu den Waldgesprächen. Im richtigen Leben passiert immer ein wenig mehr als auf dem Bildschirm.
