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Kommentar | 09.03.2026
Zweifel am Rechtsstaat
Ein 14-Jähriger stirbt, der Täter bekommt Bewährung und Sozialstunden. Beobachter des Falls sehen ein krasses Missverhältnis von Tat und Strafe.
Text: Simone Manger
 
 

Es sind Urteile wie dieses, die immer mehr Menschen an der Rechtsstaatlichkeit Deutschlands zweifeln lassen: Ein 16-Jähriger, der vor zwei Jahren den gleichaltrigen Filipp aus Meinerzhagen so schwer verletzte, dass dieser im Krankenhaus an den Folgen starb, erhielt vor wenigen Tagen vom Landgericht Hagen eine einjährige Bewährungsstrafe und 80 Sozialstunden. Für viele Menschen, die diesen Fall verfolgt haben, steht dieses Urteil in einem krassen Missverhältnis zur Tragweite der Tat.

Was auf dem Skateplatz geschah

Filipp, der jüngste Sohn einer Familie, die erst vor wenigen Jahren aus Kasachstan nach Deutschland gekommen ist, befand sich mit Freunden auf dem Skateplatz von Meinerzhagen. Eine größere Jugendgruppe kam hinzu und begann einen Streit mit ihnen. Der Haupttäter schlug Filipp so auf die Schläfe, dass er zu Boden fiel. Dann traten mindestens sieben Jugendliche der Angreifergruppe auf ihn ein. Filipp blieb schwer verletzt liegen, die Täter flüchteten. Die Freunde riefen einen Krankenwagen. Als dieser eintraf, befand sich Filipp bereits in lebensbedrohlichem Zustand. Im Krankenhaus wurde er in ein künstliches Koma versetzt. Rund zwei Wochen lang hoffte seine Familie, dass er überlebt. Doch schließlich entschieden die Ärzte, die lebenserhaltenden Maschinen abzuschalten. Für die Familie war es ein zweiter schwerer Schicksalsschlag: Zuvor hatte sie ihren ältesten Sohn bei einem Motorradunfall verloren.

Besonders tragisch: Einer seiner Schwestern hatte Filipp anvertraut, dass er schon längere Zeit auf dem Schulweg gemobbt wurde. Begegnungen mit bestimmten Jugendlichen hätten ihm große Angst gemacht. Ob einige von ihnen auch an jenem Abend auf dem Skateplatz beteiligt waren, bleibt aber unklar.

Kein angemessenes Strafmaß

Immer wieder sorgen schwere Gewalttaten unter Jugendlichen für Entsetzen. In der öffentlichen Debatte wird häufig darüber gestritten, ob das Strafmaß in solchen Fällen angemessen ist und ob das Jugendstrafrecht bei besonders schweren Gewalttaten ausreichend abschreckend wirkt. Laut Aussage von Zeugen bestand die Jugendgruppe um den Haupttäter unter anderem aus arabischen und türkischen Jugendlichen. Vor dem Hintergrund dieses milden Urteils stellt sich die Frage, ob Justiz, aber auch Politik und Medien Straftaten von Angehörigen bestimmter Migrantengruppen anders bewerten als Straftaten, die beispielsweise von Deutschen verübt werden. Welche Rolle spielen hierbei muslimische Friedensrichter, deren Tätigkeit auf patriarchalen Strukturen basiert und die bekanntermaßen immer wieder auch Einfluss auf Strafverfahren in Deutschland nehmen? Warum lässt unser Staat diese Form der Paralleljustiz zu? Ist er möglicherweise nicht so unabhängig, wie er zu sein vorgibt?

Gleichheit vor dem Gesetz

Laut Gesetz sind in Deutschland alle Menschen gleich, unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Hintergrund. Das muss sich auch in den Urteilen widerspiegeln. Wenn die Justiz, aber auch Politik und Medien schwerste Gewalt mit Todesfolge nicht gleichermaßen sanktionieren und verurteilen, sondern das Verhalten von Straftätern regelrecht bagatellisieren, sind sie dafür mitverantwortlich, dass solche Taten immer häufiger auftreten und für bestimmte Tätergruppen ein quasi rechtsfreier Raum entsteht.

Der Familie von Filipp bringt das ihren geliebten Sohn und Bruder nicht zurück. Aber sein Tod – und der Tod vieler anderer junger Menschen in den letzten Jahren – sollte uns lehren, dass wir Ungerechtigkeit gegenüber Gewaltopfern nicht mehr länger hinnehmen dürfen.

Simone Manger machte sich nach Ausbildung, Studium und Tätigkeit in verschiedenen Organisationen 2023 mit ihrem Unternehmen „particeps informal“ selbständig.

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Bildquellen: miami car accident lawyers, Pixabay