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Bericht | 17.06.2026
Alles über Angela
Welchen Auftrag hatte die Ex-Bundeskanzlerin? Diese Frage stellt Robert Cibis in Teil eins seiner neuen Dokfilmreihe. So lief die Premiere in Köln.
Text: Nicole Malavasi
 
 

Zu viert stehen wir am 12. Juni in Köln an einer Kreuzung, wir wollen zur Premiere des Dokumentarfilms „Alles über Angela – Teil 1“ von Robert Cibis. Der Ort erinnert mich an die Zeiten während der Lockdowns, in denen wir uns an geheimen Plätzen zusammengefunden hatten, um uns gegenseitig zu beruhigen und zu stärken. Ein eher unscheinbares Haus. Ich schaue mich an dieser belebten Ecke um und vergleiche die Bilder von damals mit den heutigen. Maske, Abstand, Versammlungsverbote, Ausgangssperren erscheinen mir wie ein Film. Das kann damals nicht wirklich passiert sein, denke ich.

Pünktlich geht die Tür auf, wir steigen mehrere Stufen und betreten eine Mischung aus Partyraum und Lagerhalle. Stuhlreihen, die darauf hindeuten, dass um die 80 Personen erwartet werden. In der hintersten Reihe vier alte Stühle mit Polster – von diesen fühlen wir uns eingeladen und setzen uns. Schnell ist die Hälfte der Plätze besetzt. Ich sehe, dass sich überwiegend ältere Menschen, jenseits der 50, für einen Dokumentarfilm über Angela Merkel interessieren.

Ein älterer Herr spricht mich an, hörbar aus Bayern. Er erzählt, dass er sich seit 2020 hier regelmäßig mit den verschiedensten Menschen getroffen hatte. Anfangs noch heimlich im Park, mit einem Codewort. Mehrere Menschen aus dem Corona-Widerstand haben hier Vorträge gehalten, sagt er. Auch Gunnar Kaiser. Wir bedauern gemeinsam, dass Gunnar so früh gestorben ist. Der Gedanke an seine Videos löst bei mir ein Lächeln aus.

Währenddessen laufen Robert Cibis und der Gastgeber zwischen den Stuhlreihen, dem Computer und dem Eingang hin und her. Der Veranstalter begrüßt die Gäste und nebenbei prüft er das Mikrofon. Als um zwanzig Uhr die Filmvorstellung beginnt, sind gut 90 Menschen in diesem besonderen Raum, darunter auch der Rechtsanwalt Dirk Sattelmaier und der Sachbuchautor Werner Rügemer.

Bildbeschreibung Bild: Screenshot aus „Alles über Angela“, Teil 1

Der Dokumentarfilm thematisiert die Jahre vor der Kanzlerschaft von Angela Merkel. Peter Hahne, Hans-Georg Maaßen, Vera Lengsfeld und Dr. Gertrud Höhler kommen neben dem Merkel-Biografen Gerold Keefer in den rund 40 Minuten zu Wort. Mit allen außer Keefer hat Robert Cibis übrigens auch Einzelinterviews in seinem Format Narrative veröffentlicht.

Neben den Aussagen der Redner gibt es mehrere Ausschnitte aus dem Interview von Günter Gaus mit Angela Merkel in der Reihe „Zur Person“ aus dem Jahr 1991. Damit zeigt Cibis, wie die damaligen Aussagen von Merkel mit ihren späteren Handlungen erschreckend gut zusammenpassen. Die Herkunft von Angela Merkel wird beleuchtet, ihr Werdegang in der DDR und vor allem ihre Tätigkeit als FDJ-Sekretärin an der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Sie war dort für Agitation und Propaganda zuständig und unterstützte die ideologischen Schulungen der Mitglieder. Im Jahr der Wiedervereinigung war sie Mitglied beim „Demokratischen Aufbruch“ in der DDR und trat 1990 in die CDU ein.

Bildbeschreibung Bild: Screenshot aus „Alles über Angela“, Teil 1

Am Ende stellen sich viele Fragen: Warum wurde Angela Merkel Mitglied der CDU und nicht der SPD? Wieso haben die deutschen Journalisten in den Jahren ihrer politischen Karriere seit 1990 nicht ihre Vergangenheit recherchiert und öffentlich zur Diskussion gestellt?

Werner Rügemer fragt, warum die westlichen Oligarchen, die nachweislich Angela Merkel finanziert und ihre politische Karriere dadurch ermöglicht hätten, nicht erwähnt werden. Cibis antwortet, dass der erste Teil sich mit der Vorgeschichte der politischen Karriere von Angela Merkel beschäftigt und als Schwerpunkt die Darstellung der DDR-Netzwerke habe. Da einige Teilnehmer mit der Antwort nicht zufrieden sind, ordnet Cibis seinen Dokumentarfilm in einen größeren Zusammenhang ein.

Für Cibis ist die Unterscheidung zwischen Kapitalismus und Kommunismus für die Analyse von Machtstrukturen nicht hilfreich. Die antiliberalen Entscheidungen, die von Angela Merkel getroffen wurden, sieht er als Werkzeug, um die größeren Machtstrukturen erkennen zu können. So seien die Strukturen im Vorstand von Palantir ähnlich wie jene in einem Politbüro. Weltweit fusionierten die Wirtschaftsunternehmen mit den Behörden. Dass die Presse offensichtlich keine Gefahr für die Politiker ist, könne ebenfalls gut am Fall Merkel gezeigt werden. Für Cibis arbeitet die Ebene oberhalb der Politik unter anderem mit dem Mittel der Gefahrenabwehr: Influencer, die viel Einfluss auf die öffentliche Meinung bekommen, werden unterwandert. Cibis betont dabei, dass es weltweit Themen gebe, die außerhalb des Besprechbaren liegen. Diese dürften es nicht in das Bewusstsein der Öffentlichkeit schaffen, da sonst Widerstand zu befürchten sei. Damit macht Cibis deutlicher, wie er sich der Analyse der Machtstrukturen und der Frage nach dem Auftraggeber von Angela Merkel nähert.

Robert Cibis ist mit Leib und Seele Dokumentarfilmer – er wollte nie etwas anderes machen, erzählt er. Nachdem er im Februar 2020 einen Vortrag von Wolfgang Wodarg hörte, begann er sich zu den totalitären Maßnahmen kritisch zu äußern. Vielleicht deshalb, weil er es schon vor 2020 gewohnt war, Filme ohne Budget zu drehen. Seine künstlerische Freiheit ist ihm bis heute so wichtig, dass er Auftragsarbeiten ablehnt.

Die Diskussion zeigt, dass der Film dazu beiträgt, den Debattenraum über die globalen Machtstrukturen zu öffnen. Wer die heutigen Verhältnisse verstehen will, kann so mit anderen Menschen ins Gespräch kommen.

Beim Verlassen des Raumes frage ich Robert Cibis, wie wir ihn am besten unterstützen können. Mir ist an diesem Abend die Bedeutung von guten Dokumentarfilmen klar geworden – und ich würde gerne weitere Teile der Angela-Reihe sehen. Seine Antwort: „Ein Abonnement bei OVALmedia, das hilft mir am meisten.“

Nicole Malavasi, Jahrgang 1970, ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und hat am Kompaktkurs Journalismus an der Freien Medienakademie teilgenommen.

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Bildquellen: Titel: Merkel und Putin 2002 in Moskau (Kremlin.ru, CC BY 3.0)