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Bericht | 24.06.2026
Abschied – von was?
Christine Prayon war mit ihrer „Abschiedstour“ in Wuppertal. Fazit dieses besonderen Kabarettabends: Es ist Zeit für Neuland, in jeglicher Hinsicht.
Text: Nicole Malavasi
 
 

Etwa sechzig Menschen nehmen in der „Börse“ an kleinen Tischen und in Stuhlreihen Platz, um Christine Prayon zu hören und zu erleben, eine Kabarettistin, die bis 2022 als Birte Schneider in der heute-show beim ZDF mitgespielt hatte.

Vor ein paar Monaten hatte ich bei Bastian Barucker ein Interview mit Christine Prayon und Felicia Binger gesehen, in dem die beiden Frauen von den Schäden berichten, die sie nach den Covid-Impfungen erlitten haben. Die Erfahrungen, die Christine Prayon damals im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gemacht hat, haben mir das Ausmaß der Ausgrenzungen in dieser Zeit nochmal verdeutlicht. Ich war neugierig auf diese mutige Frau.

Bildbeschreibung

Mit roter Clownsnase betritt Prayon die Bühne. Sie setzt sich an einen Tisch und beginnt darüber zu sinnieren, wieso dieses Programm ein Abschied sein kann. Lohnt sich Kabarett noch? Bei all den Wahrheiten, die längst auf dem Tisch liegen. Oder doch lieber Comedy? Es ist doch alles Satire und die Realität ist der neue geile Scheiß. So ihre Worte. Dabei ist es längst Zeit, um über neue Lebensformen zu sprechen und Experte für Neuland zu werden. Sie sei keine Kommunistin, betont sie. Auch, wenn für sie der Kapitalismus das Hinterletzte ist.

Mit dem Song Eye of the tiger, von ihr angesungen, beginnt die Persiflage auf aktuelle Comedy- und Fernsehformate. Der Comedyfascho GröCoZ (größter Comedian aller Zeiten), von Prayon überzeugend dargestellt, wird interviewt, das Publikum beginnt zu klatschen, um schnell wieder damit aufzuhören. Ein Radioquiz und ein Poetry Slam umrahmen die Absurdität. Die Irritation, die diese Art des Kabaretts bei den Zuschauern auslöst, ist deutlich zu spüren. Lachen, mitklatschen, auch schweigen. Ich bin zwischendurch von diesem Klamauk echt genervt, im positiven Sinne.

Nach der Pause endet die Persiflage, und Prayon spricht wieder über das Elend des Kapitalismus, den Abschied vom Kabarett sowie von einer Bewegung, die den Grundgedanken des Kommunismus umsetzt und 45 Millionen Menschen auf die Straße bringt. Mit dem Aufsetzen der roten Clownsnase endet ihr Programm. Applaus.

Christine Prayon hält uns den Spiegel vor, zeigt uns die Absurditäten der Unterhaltungsindustrie und fordert uns heraus, den Kollektivismus nicht Putin zu überlassen, sondern ihn als echte Alternative zum Kapitalismus neu zu denken. Das Besondere an ihrem Auftritt ist für mich eine neunzigminütige Ganzkörpererfahrung. Nicht nur der Intellekt wurde angesprochen, sondern auch die Gefühle, so wie auf ihrer Homepage versprochen. Absolute Empfehlung.

Bildbeschreibung

Rezension Abschiedstour von Michael Meyen

Nicole Malavasi, Jahrgang 1970, ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und hat am Kompaktkurs Journalismus an der Freien Medienakademie teilgenommen.

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Bildquellen: Nicole Malavasi