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Oben & Unten | 18.02.2026
Das instrumentelle Leben
Mit dem „Wohl“ von Tieren und Menschen werden merkwürdige Dinge gerechtfertigt. Was Vogelgrippe, Corona und Kriege verbindet.
Text: Felix Feistel
 
 

Als ich Anfang des Jahres in Russland weilte, unterhielt ich mich mit einem meiner Gastgeber über das Eisfischen. Er war ein begeisterter Eisfischer, eine Tätigkeit, die ich bis heute nur aus der Ferne der Klischees kenne. Er erklärte mir, dass man in Russland nicht nur angele, um die Fische zu töten und zu essen. Nicht selten lasse man sie nach dem Fangen einfach wieder frei. Catch & release – man angelt also des Angelns wegen. In Deutschland ist das verboten. Wer hier einen Fisch fängt, der muss ihn dann auch töten. Gerechtfertigt wird dies mit dem Tierwohl. Als ich meinem Gastgeber dies mitteilte, erwiderte er lachend, dass man in Russland das Tierwohl doch eher damit assoziiere, das Tier am Leben zu lassen.

In der Tat ist es eine merkwürdige Argumentation, Tiere mit der Begründung ihres vermeintlichen Wohlergehens zu töten. Das jedoch ist in Deutschland und eigentlich in der gesamten EU ein gern genutztes Argument, um beispielsweise beim Ausbruch von Krankheiten wie Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche oder Blauzunge ganze Tierbestände zu keulen, auch wenn nur ein einziges Tier betroffen ist. Es sei für die Tiere besser, so die Argumentation, sie direkt zu töten, anstatt sie der Gefahr einer Erkrankung auszusetzen. Nun würde das Tier, könnte man es danach fragen, die Dinge vielleicht anders sehen, und überdies ist die ganze Erzählung von Tierseuchen bei genauerer Betrachtung wohl eher ein künstlich aufgeblasener Betrug, wie ich in meinem Buch Corona – Next Level darlege.

Dies alles offenbart ein instrumentelles Herangehen an das tierische Leben. Ein nicht betroffener Dritter – der Staat, die Behörde, der Amtstierarzt – bestimmt für das vermeintlich betroffene oder möglicherweise (möglicherweise auch nicht) in Zukunft betroffene Tier, ob das Leiden groß genug zu werden droht, um das Leben des Tieres vorzeitig zu beenden. Das Leben wird hier zu einer Ressource degradiert, zu einer Angelegenheit der reinen Abwägung. Man wägt das vermeintliche Leid – vermeintlich, weil man ja gar nicht weiß, ob und wie sehr das Tier leidet, und weil die angeblich so tödlichen Krankheiten oft heilbar sind und gar nicht so unglaublich tödlich, wie kolportiert – gegen das Leben ab und kommt in der Regel zu dem Schluss, dass das Leben nicht wertvoll genug sei, es zu bewahren – vor allem, da Heilversuche am Tier verboten sind.

Das offenbart eine erschreckende Gleichgültigkeit des Staates gegenüber dem Leben. Dieses Verhältnis zum Leben wiederum wurde mit der sogenannten Corona-Pandemie auf den Menschen übertragen – denn hier hat man dem Menschen Dinge aufgezwungen, die man an Tieren schon lange durchführt, den Menschen also zum Nutztier degradiert. Und dieses Verhältnis offenbart sich auch in der Leichtfertigkeit, mit der Entscheidungsträger Kriege provozieren und ihre jungen Menschen in diesen Kriegen verheizen. Das Leben ist für die Macht lediglich eine zu verwaltende und zu benutzende Ressource, die effizient und ökonomisch eingesetzt werden muss, um den größtmöglichen Profit aus ihr zu ziehen.

Und weit weniger als ein europäisches Leben wiegt in den Augen der Entscheidungsträger ein ukrainisches Leben – weshalb dieser Krieg durch die EU vorangetrieben wird und man einen Krieg gegen Russland „bis zum letzte Ukrainer“ führen kann. Darin offenbart sich neben dem offenkundigen Rassismus auch eine Geringschätzung des Lebens an sich. Umso merkwürdiger ist es, dass in Deutschland die Euthanasie kein so großes Thema ist wie in anderen Ländern – etwa in Kanada. Aber vielleicht will man sich hier die zu nutzende Ressource auch nicht einfach entziehen lassen.

So oder so, jede Macht – und damit auch und gerade der Staat – ist ein Feind des Lebens an sich.

Felix Feistel veröffentlicht seit 2017 Texte über das aktuelle Zeitgeschehen bei Manova, Apolut, tkp & Multipolar. Mehr auch auf seinem Telegram-Kanal. Sein Buch Corona - Next Level erscheint in der Hintergrund-Reihe "Wissen Kompakt".

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Bildquellen: Vogelgrippeneinsatz in Japan im Dezember 2022 (@JSDF, CC BY 4.0)